Endoskopisches Verfahren
Mediziner operieren durch den Mund

Mediziner planen, Körperöffnungen zu zweckentfremden – zum Wohl der Patienten. Nach der revolutionären Entwicklung der Endoskopie, die kaum Spuren hinterlässt, soll nun ein Verfahren kommen, dass noch schonender ist. Dazu nutzen die Ärzte zum Beispiel den Mund. Noch gibt es aber technische Probleme.

BERLIN. Kaum sichtbare Narben statt großer Schnitte, eine wesentlich raschere Erholung der Patienten: Die so genannte Schlüssellochoperation hat die Bauchraumchirurgie revolutioniert. Eingriffe wie etwa die Entfernung eines entzündeten Blinddarms lassen sich mittlerweile problemlos durch kleine Löcher in der Bauchdecke bewerkstelligen. Operationen ganz ohne Narben und mit noch schnelleren Erholungszeiten versprechen sich Mediziner von einer neuen OP-Technik, die sich derzeit in Entwicklung befindet. Statt durch die Bauchdecke zu gehen, nutzen sie natürliche Körperöffnungen wie Mund, After oder Scheide. „Die Methode könnte die Chirurgie ein weiteres Mal revolutionieren“, sagt der Gastroenterologe und Endoskopieexperte Axel Eickhoff vom Klinikum Ludwigshafen.

Am weitesten vorangeschritten ist die Entwicklung der so genannten transgastrischen Operation, bei der die Mediziner Operationsbesteck und Kameratechnik durch die Speiseröhre in den Magen führen. Durch einen Schnitt in der Magenwand gelangen sie zu den Organen des Bauchraums und können dort operative Eingriffe durchführen. Zum leichteren Operieren wird der Bauchraum gegebenenfalls mit Kohlendioxid gedehnt. Nach der OP werden die Geräte und eventuell entferntes Gewebe auf dem selben Weg zurückgezogen und das Loch im Magen vernäht.

Neben dem kosmetischen Vorteil der Narbenfreiheit erwartet sich Eickhoff von der Methode weniger Wundheilungsprobleme, einen geringeren Operationsaufwand und eine kürzere Erholungsdauer der Patienten. Weil in der Magenwand weniger Schmerzrezeptoren liegen, können Ärzte bei der neuen Methode auf die Vollnarkose verzichten und eine leichte lokale Betäubung ansetzen. „Vielleicht können wir in Zukunft Blinddarmoperationen oder Sterilisationen mit noch kürzeren stationären Aufenthalten oder sogar ambulant durchführen“, hofft Eickhoff.

Doch der Weg in den klinischen Alltag ist noch lang. Gemeinsam mit dem Chirurgen und Endoskopiker Georg Kähler von der Universitätsklinik Mannheim erprobt Eickhoff die neue Technik vorerst in Machbarkeitsstudien an Schweinen. „Der Zugang über die Magenwand ist einfach herzustellen und alle Organe sind von dort aus mit dem Endoskop gut aufzufinden“, resümiert Kähler die ersten Ergebnisse der Tierversuche.

In anderen Ländern ist man schon weiter. In den USA und Frankreich vermeldeten Ärtzeteams bereits erste erfolgreiche transgastrische OPs am Menschen. Laut dem Magazin „NewScientist“ diagnostizierten Ärzte am Ohio State University Medical Center mit der neuen Methode durch den Magen bei zehn Patienten einen Bauchspeicheldrüsenkrebs. In New York und Straßburg wurde je einer Patientin die Gallenblase entfernt, in einer Variante mit Zugang durch die Gebärmutter. Und die indischen Mediziner Nageshwar Reddy und Venkat Rao vom Asiatischen Institut für Gastroenterologie in Hyderabad vermeldeten sogar eine Blinddarmoperation durch Mund und Magen. Sie präsentieren ihre Ergebnisse seither auf internationalen Kongressen.

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