Energie-Ressourcen
Die wichtigste Waffe der Welt

Der Kampf um die Energie-Ressourcen tobt seit mehr als hundert Jahren. Öl-Politik ist Geopolitik - das bekräftigte auch der jüngste Streit um das iranische Atomwaffenprogramm, der sich negativ auf den Ölpreis auswirkte. Derweil zeichnen sich neue Konflikte ab.

HAMBURG. Die Welt atmet auf: Der Streit über das iranische Atomwaffenprogramm ist vorerst entschärft, die Mullahs wollen nur begrenzte Mengen Uran anreichern. Jetzt sinken die Weltmarktpreise für Rohöl wieder. Bei mehr als 73 Dollar je Fass drängten die Europäer Iran und die USA wieder an den Verhandlungstisch. Zu groß war die Angst um die weltweite Konjunktur, die an hohen Energiepreisen zu ersticken droht. Öl ist die wichtigste Wirtschaftswaffe der Welt.

Bereits mit der Erfindung des Motors wurde es zum Treibstoff des Industriezeitalters - und zum Kriegsgrund. Ob auf der Arabischen Halbinsel, in Lateinamerika und in Russland, überall begann zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Kampf um Förderkonzessionen - und er hält bis heute an. Staatsstreiche, Kriege, Sabotage - mit allen Mitteln kämpften die Akteure, um sich den Schmierstoff der Zukunft zu sichern. Konflikte um Energieressourcen bestimmen seither die Geopolitik: "Spätestens seit dem Ersten Weltkrieg, als Erdöl zur strategischen Ressource wurde, bestimmte der Kampf um Quellen und Zufuhr die Politik", sagt der Historiker Michael Stürmer.

Ein Paradebeispiel für den Machtkampf um die Vorkommen lieferten die Briten. 1908 war in Iran Öl gefunden worden, gefördert wurde es von der Anglo-Persischen-Ölgesellschaft, der späteren British Petroleum (BP). Auch im angrenzenden Mesopotamien, dem heutigen Irak, wurde Öl vermutet. Doch das Zweistromland gehörte zum Osmanischen Reich. Als aber ein paar Jahre später die arabischen Stämme rebellierten, nutzten die Briten das Chaos, um sich die Ölreserven Persiens und Mesopotamiens zu sichern. Winston Churchill, Oberkommandierer der Flotte, wollte mehr: Öl statt Kohle sollte seine neuen schnellen Schiffe befeuern. Deshalb drängte er die Regierung zum Kauf der BP-Aktienmehrheit. Als im Ersten Weltkrieg benzingetriebene Panzer über die Schlachtfelder rollten und Flugzeuge den Luftraum eroberten, wurde Erdöl kriegswichtig. "Öl (ist) auf den Schlachtfeldern von morgen so unentbehrlich wie das Blut", mahnte der französische Kriegsminister Georges Clemenceau.

In Geheimverhandlungen und auf einem Tischtuch skizzierten Briten und Franzosen dann 1918 die künftigen Konfliktlinien im Nahen Osten, zogen die Grenzen entlang der Pipelines. In Mexiko kämpften derweil Briten und Amerikaner um die "Ölherrschaft". Amerika ließ von der CIA einen Putsch anzetteln, finanziert von Rockefellers Standard Oil, und gewann.

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