Energiebranche forscht an der emissionsfreien Verstromung von Braun- und Steinkohle
Kohlekraftwerke sollen sauberer werden

Kein Energieträger versorgt Deutschland mit so viel Strom wie die Kohle – und kein Energieträger verschmutzt dabei die Umwelt mehr: Stein- und Braunkohlekraftwerke stoßen vergleichsweise große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid aus. Doch das soll sich ändern.

HB DÜSSELDORF. Die Energiebranche forscht am emissionsfreien Kohlekraftwerk. „Es ist technisch mehr als eine Vision“, sagt Johannes Ewers, der die Kraftwerkstechnik bei RWE Power leitet, „ es gibt aber noch viele Fragen zu klären.“

Not macht erfinderisch: Die Stromversorger reagieren mit ihren Forschungen auf den europaweit geplanten Handel mit Emissionsrechten, der in gut einem Jahr starten wird und den Ausstoß von Kohlendioxid senken soll. Keine Branche ist davon so stark betroffen wie die Energiewirtschaft. Sie produziert in Deutschland pro Jahr 360 Mill. Tonnen Kohlendioxid. Mehr als jedes zweite Kraftwerk wird derzeit mit Braun- oder Steinkohle befeuert. Bis 2020 muss der deutsche Kraftwerkspark umfassend erneuert werden. Will die Kohle ihren Anteil gegenüber den erneuerbaren Energien und dem Erdgas halten, muss die Verstromung effizienter werden.

Das emissionsfreie Kraftwerk wäre dabei der Idealfall: Es soll verhindern, das bei der Verbrennung Kohlendioxid frei wird und in die Luft entweicht. Gleich mehrere Ansätze werden verfolgt: Zum einen lässt sich das Kohlendioxid nach der Stromproduktion mit Chemikalien aus dem Rauchgas isolieren, komprimieren und verflüssigen. Zum anderen kann es bereits vor der Verbrennung entfernt werden. Die Kohle wird dabei in Synthesegas umgewandelt, das anschließend in einem Gas- und Dampfturbinenkraftwerk eingesetzt wird. „Die einzelnen Schritte gibt es schon, aber nicht als geschlossenes Kraftwerk“, sagt Fritz Vahrenholt, Vorsitzender des Windanlagenbauers Repower und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, der die Regierung in Umweltfragen berät.

Das emissionsfreie Kraftwerk hat aber noch mit einer ganzen Reihe an Problemen zu kämpfen. Vor allem ist die Isolation der Treibhausgase zu aufwendig. Die Kosten liegen nach Angaben von RWE Power je nach Verfahren mehr als doppelt so hoch wie bei einem konventionellen Kraftwerk. Und weil für den neuen Verfahrensschritt zusätzliche Energie eingesetzt werden muss, ist es auch nicht Ressourcen schonend: Im Endeffekt fällt im emissionsfreien Kraftwerk sogar mehr Kohlendioxid an als bei einer herkömmlichen Anlage. Es entweicht zwar nicht in die Luft, muss aber gelagert werden. Und hier liegt ein weiteres großes Problem: Die Lagerung des Abfallprodukts ist schwierig. Es muss von den Kraftwerken zu ausgebeuteten Erdöl- oder -gasreservoirs oder tief liegenden Gesteinsschichten transportiert und dort dauerhaft abgeschottet werden.

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