Energiekonzern baut weltweit erste Pilotanlage für kohlendioxidfreie Verstromung
Vattenfall plant sauberes Kohlekraftwerk

Der Energiekonzern Vattenfall plant das weltweit erste kohlendioxidfreie Braunkohlekraftwerk. Das Unternehmen will bis 2008 am Standort Schwarze Pumpe in Brandenburg eine Pilotanlage bauen.

DÜSSELDORF. Die Pilotanlage wird eine Leistung von 30 Megawatt (MW) haben – ein Bruchteil eines normalen Kraftwerks. Sie diene der Forschung und Entwicklung, um die Technologie zur Marktreife zu führen, teilte der Konzern gestern mit. Sollten die Test erfolgreich verlaufen, will Vattenfall ein Demokraftwerk mit 250 MW bauen. Der kommerzielle Einsatz sei aber voraussichtlich erst 2020 möglich, sagte Vorstandschef Lars Josefsson.

Mit kohlendioxidfreien Kohlekraftwerken wollen Energiekonzerne auf die Kritik von Umweltschützern reagieren – und auf den Kostendruck durch den europaweiten Emissionshandel. Bei der Verbrennung von Braun- und Steinkohle werden verhältnismäßig große Mengen des klimaschädlichen Gases freigesetzt. Vor allem alte Anlagen haben einen schlechten Wirkungsgrad, das heißt nur ein geringer Prozentsatz des Brennstoffes wird in Energie umgesetzt. Bei alten Braunkohleanlagen liegt er knapp über 30 Prozent und selbst moderne Kraftwerke erreichen nur 43 Prozent. Bei Steinkohle sieht es kaum besser aus.

Mit der neuen Technik wollen die Energiekonzerne verhindern, dass das Kohlendioxid in die Atmosphäre entweicht. Es soll vielmehr abgeschieden und beispielsweise in alten Gaslagerstätten entsorgt werden. Bislang ist die Technik über das Forschungsstadium aber nicht hinaus gekommen. Neben Vattenfall, Deutschlands drittgrößtem Stromerzeuger, forscht vor allem RWE an der neuen Technik. Die Konzerne haben besonders viele Kohleanlagen in ihrem Kraftwerkspark. Parallel versuchen sie, den Wirkungsgrad zu erhöhen. RWE installierte jüngst einen Prototyp, der die Braunkohle vor der Verbrennung trocknet und so den Brennwert steigert.

Vattenfall hat sich bei der Pilotanlage für das so genannte Oxyfuel-Verfahren entschieden. Dabei wird Braunkohle mit einem Gemisch aus dem zurückgeführten Rauchgas und reinem Sauerstoff verbrannt, um das Kohlendioxid in flüssiger Form abzuscheiden. Anschließend kann es per Schiff, Tankwagen oder Pipeline abtransportiert werden. Branchenexperten räumen dem emissionsfreien Kraftwerk durchaus Chancen ein: „Das ist eine Technologie, die man verfolgen muss“, sagt der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt, „realistisch ist sie aber nicht morgen, sondern erst übermorgen.“

Noch hat das emissionsfreie Kohlekraftwerk mit einer Reihe an Problemen zu kämpfen. Zum einen ist die Isolation des Treibhausgases aufwendig. Die Betriebskosten liegen deutlich höher als bei einem konventionellen Kraftwerk. Zum anderen ist es nicht ressourcenschonend. Weil für den neuen Verfahrensschritt zusätzliche Energie eingesetzt werden muss, fallen sogar mehr Schadstoffe an. Sie entweichen zwar nicht in die Luft, müssen aber gelagert werden. Das Abfallprodukt muss zum Teil über weite Strecken transportiert und dauerhaft abgeschottet werden. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erklärte deshalb, das Projekt sei eine Täuschung. Es gebe keine kohlendioxidfreien Kohlekraftwerke. Das Treibhausgas werde schließlich nur im Untergrund verpresst und könne irgendwann zurück an dieOberfläche gelangen und die Erde aufheizen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%