Energiesparen durch Mikroelektronik
Halbleiter steuern Energiefluss

Durch den flächendeckenden Einsatz von Mikroelektronik in Form sogenannter Wafer sind Energieeinsparungen von mehr als 20 Prozent möglich. Noch sind die Kunden zurückhaltend, weil sich der Kauf neuer Technologie bislang nicht rechnet. Doch die Hersteller hoffen auf einen Boom nach der Krise.
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BREMEN. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass Firmen zum Energiesparen auf Mikroelektronik setzen“, sagt Jens Kosch, Vorstandsmitglied der X-FAB Semiconductor Foundries AG in Erfurt. „Bis jetzt stand das Thema nicht im Mittelpunkt des Interesses. Doch mittlerweile ist der Bedarf da, sowohl bei den Konsumenten und auch in der Industrie.“

Mehr als 20 Prozent der elektrischen Energie ließe sich bis 2020 mit dem Einsatz von entsprechender Mikroelektronik in Deutschland sparen, schätzt der Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Das entspräche der Leistung von 450 großen Kraftwerken. Denn mit Mikroelektronik-Schaltungen lasse sich die elektrische Energie für Antriebe, die Beleuchtung oder Haushaltsgeräte auf den tatsächlichen Bedarf anpassen. „Motoren sind in 80 Prozent der Anwendungen auf die maximale Belastung ausgelegt. Das ist meist völlig übertrieben“, sagt Wolfgang Schröppel, Professor am Institut für Elektroenergiesysteme und Hochspannungstechnik der Universität Karlsruhe. „Drosselt man die Drehzahl auf den tatsächlichen Gebrauch lassen sich bis zu 40 Prozent sparen.“. Dank Mikroelektronik könne etwa die Beleuchtung vom Tageslicht abhängig gedimmt oder nur bei Anwesenheit von Personen eingeschaltet werden.

Die von X-FAB produzierten so genannt Wafer helfen etwa, den Energieverbrauch zu drosseln. Die Wafer sind millimeterdünne Silizium-Scheiben, auf deren Basis mikroelektronische Bauelemente entstehen. „Auf unseren Wafern können spezielle Schaltkreise gebaut werden, die etwa den Stromverbrauch im Stand-by-Modus von Elektrogeräten um den Faktor 10 senken können“, sagt X-FAB Vorstandsmitglied Kosch.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete X-FAB einen Umsatz von 250 Mio. Euro, zehn Prozent weniger als im Vorjahr. „Wir stellen uns derzeit darauf ein, dass der gesamte Halbleitermarkt auch 2009 um 20 Prozent schrumpfen wird“, sagt Kosch. Im Zuge des allgemeinen Energiespartrends rechnet er nach der Krise jedoch mit einer steigenden Nachfrage nach Halbleiter-Produkten, auf deren Basis dann energiesparende Mikroelektronik entstehen kann.

Doch noch sind die Kunden zurückhaltend, weil sich der Kauf neuer Technologie für sie bislang nicht rechnet. „Wir können die Mikroelektronik bereits für energieeffiziente Maßnahmen einsetzen, jetzt müssen wir sie aber endlich auch umsetzen“, fordert Elektroenergie-Experte Schröppel. Der Einsatz energieeffizienter Produkte sei anfangs immer mit Investitionen verbunden, die sich mittelfristig allerdings auszahlen.

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