Engle und Granger ausgezeichnet
Nobelpreis für zwei Volkswirte

Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft geht an Robert Engle aus den USA und den Briten Clive Granger. Sie werden für ihre Arbeiten auf dem Gebiet statistischer Verfahren zur Überprüfung wirtschaftswissenschaftlicher Theorien ausgezeichnet, wie die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mitteilte.

HB STOCKHOLM. In der Praxis dienen die Ergebnisse der beiden Forscher unter anderem Finanzanalysten bei der Bewertung der Risiken von Wertpapierinvestitionen und Zentralbankern bei der Beurteilung des Zusammenhangs von Wechselkursen und Preisniveau. Die Auszeichnung ist mit zehn Mill. Schwedischen Kronen (rund 1,1 Mill. €) dotiert.

Nach Angaben der Akademie haben Engle und Granger neue Methoden entdeckt, mit denen so genannte Zeitreihen zum empirischen Test von Hypothesen besser analysiert werden können. Ökonomische Zeitreihen sind chronologische Reihenfolgen von Wirtschaftsdaten, die die Entwicklung etwa des Bruttoinlandsprodukts, von Preisen, Zinssätzen oder Aktienkursen zeigen.

Dem 60-jährigen Engle, Professor für Finanzdienstleistungen an der New Yorker Universität, gelang den Angaben zufolge ein großer Durchbruch bei der Untersuchung von Volatilitäten, also zufälligen Schwankungen über die Zeit. Diese spielen insbesondere bei Kursbewegungen an den Finanzmärkten eine große Rolle. Engle entwickelte ein Verfahren, mit dem es möglich ist, zeitliche Veränderungen der Schwankungsstärke zu erfassen. Er entwickelte dazu den Begriff der so genannten autoregressiven bedingten Heteroskedastizität (ARCH). „Seine ARCH-Modelle sind unverzichtbare Werkzeuge geworden, nicht nur unter Forschern, sondern auch unter Finanzanalysten, die sie unter anderem zur Risikobewertung verwenden“, erklärten die Juroren.

Der 69-jährige gebürtiger Waliser Granger lehrte zuletzt als Wirtschaftsprofessor an der Universität Kalifornien in San Diego. Er schuf statistische Verfahren, die - etwa den Zentralbanken - wichtige Aufschlüsse über die Zusammenhänge entscheidender ökonomischer Größen ermöglichen: etwa zwischen Wechselkursen und Preisniveau, kurzfristigen und langfristigen Zinsen oder Vermögen und Konsum.

Professor John Sutton von der London School of Economics würdigte Granger als Pionier in dessen Forschungsbereich. „Er leistete die wegweisende Arbeit zu dem Problem, wie wir den Kausalzusammenhang entwirren können, wenn wir uns Fragen stellen wie „Wirkt sich eine Erhöhung der Geldmenge auf das Inflationsniveau aus?' oder „Führt der Anstieg des Inflationsniveaus zu einer höheren Geldmenge?'“, sagte Sutton.

Der Nobelpreis für Wirtschaft geht anders als die gleichnamigen Auszeichnungen für herausragende Leistungen in Chemie, Physik, Literatur und Medizin sowie der Friedensnobelpreis nicht auf den Begründer und Namensgeber Alfred Nobel zurück. Er wurde von der schwedischen Zentralbank „im Gedenken an Alfred Nobel“ 1968 eingeführt und ein Jahr später erstmals vergeben.

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