Forschung + Innovation
Entdeckung eines Salzsees auf dem Mars ist „Durchbruch 2004“

Die Entdeckung von Wasserspuren auf dem Mars durch die Roboter-Fahrzeuge „Spirit“ und „Opportunity“ ist nach Ansicht des US-Fachjournals „Science“ der wissenschaftliche Durchbruch des Jahres 2004.

dpa WASHINGTON. Die Entdeckung von Wasserspuren auf dem Mars durch die Roboter-Fahrzeuge „Spirit“ und „Opportunity“ ist nach Ansicht des US-Fachjournals „Science“ der wissenschaftliche Durchbruch des Jahres 2004.

„Dank der zähen kleinen Roboter wissen wir, dass der Mars vor Mrd. Jahren warm und feucht genug war, um einen flachen, salzigen See auszubilden“, schreibt „Science“ (Bd. 306, S. 2010) in seinem traditionellen Jahresrückblick. Dies sei ein Meilenstein bei der Suche der Menschheit nach Leben im Universum.

„Opportunity“ landete in der Meridiani-Ebene direkt in einem Gebiet, das einst von Wasser überflutet war. Mit Hilfe eines Spektrometers untersuchte der Rover Felsgestein und entdeckte unter anderem Salz- und Schwefelverbindungen, die auf das Vorhandensein von Wasser schließen ließen. Auf der anderen Seite des Roten Planeten spürte „Spirit“ ebenfalls Spuren ehemaliger Wasservorkommen auf. Das Wasser auf dem Mars sei zwar sehr sauer und salzig gewesen, auf der Erde habe sich aber auch unter solchen Bedingungen Leben entwickelt.

Auf Platz zwei der Highlights des Jahres setzte „Science“ die Entdeckung von Überresten einer bislang unbekannten Menschenart auf der indonesischen Insel Flores. Der Homo floresiensis war mit nur einem Meter Körperhöhe erstaunlich klein, auch sein Kopf besaß nur etwa die Größe einer Pampelmuse. Vermutlich haben die „Zwergenmenschen“ und der moderne Homo sapiens noch vor 18 000 Jahren zusammen die Erde bewohnt.

Die weiteren acht Highlights wurden nicht eigens platziert. Gekürt wurde die Arbeit südkoreanischer Wissenschaftler, die erstmals einen menschlichen Embryo geklont und daraus Stammzellen entnommen hatten. Sie hätten den Beweis erbracht, dass diese Technik mit menschlichen Zellen funktioniert.

Dass sich im vermeintlichen Müll des Erbmaterials DNA wahre Schätze verbergen, fanden gleich mehrere Teams heraus. Zahlreiche Regionen des Erbguts, die bislang als wertlos galten, haben eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Genaktivität. Astrophysiker entdeckten 2004 das erste Pulsaren-Paar - umeinander rotierende Neutronensterne, die Partikel und Strahlen ins Weltall schleudern.

Die detaillierte Dokumentation des Artensterbens rund um die Welt ist „Science“ ebenfalls einen Platz unter den Top Ten der wissenschaftlichen Highlights Wert. Denn diese Forschung mache auch deutlich, wie der Klimawandel die natürliche Entwicklung in vielen Gebieten verändere. Neben dem Mars-Wasser taucht auch das Wasser der Erde in der wissenschaftlichen Bestenliste auf. Grund: Auch nach einem Jahrhundert intensiver Forschung entdecken die Wissenschaftler immer wieder Neues zur Struktur und Chemie der Verbindung.

Als weiteren Durchbruch kürte „Science“ die Einrichtung so genannter „Public-Privacy-Partnerships“ im Gesundheitswesen. Zusammenschlüsse von reichen Ländern, akademischer Forschung und pharmazeutischer Unternehmen starteten 2004 mehrere Initiativen, um den Ärmsten der Welt Zugang zu Medikamenten zu verschaffen. Schließlich sei die Sequenzierung von DNA aus Wasserproben bemerkenswert, da sie zur Entdeckung neuer Organismen und Gene geführt habe.

2004 sei zudem ein überragendes Jahr für die Erforschung von Kondensaten gewesen. Nachdem es gelungen sei, Bosonen und Fermionen in den Zustand so genannter „Super-Atome“ zu überführen, hätten Forscher diese Erscheinungsformen der Materie jetzt weiter untersuchen und erstmals auch ein festes Kondensat erschaffen können.

Als Störfall des Jahres bewertete „Science“ die sich verschlechternden Beziehungen zwischen Wissenschaft und Politik in weiten Teilen der Welt. So hatten zum Beispiel US-amerikanische Forscher der Regierung von Präsident George Bush vorgeworfen, ideologische Interessen vor die wissenschaftlichen zu setzen. In Italien und Frankreich protestieren Forscher gegen Budget-Kürzungen.

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