Entstehung der Welt
Darwin oder Gott?

Glaube oder Wissenschaft, Schöpfung oder Evolution? 150 Jahre nachdem Charles Darwin seine Thesen zur Entstehung der biologischen Arten veröffentlichte, lebt ein aberwitziger Kulturkrieg zwischen bibeltreuen Schöpfungsgläubigen und modernen Evolutionsforschern wieder auf. Der Streit tobt nicht nur in den USA, er hat Europa erreicht.
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Ich glaube nicht an Geister, Elfen oder den Osterhasen - und auch nicht an den lieben Gott." So provokant formuliert der bekannte US-amerikanische Bewusstseinstheoretiker Daniel Dennett sein durch und durch naturalistisches Weltbild. Dort ist kein Platz für Übernatürliches. Und auch nicht für ein Leben nach dem Tod. Dem Direktor des Zentrums für Kognitionswissenschaften der Tufts-Universität in Medford, Massachusetts, reichen die Erklärungen, die sich aus der Evolutionsbiologie ergeben.

Ganz anders sieht das der christlich-fundamentale Verein "Answers in Genesis" (AiG). Der hält all das, was wir über die Entstehung der Welt und des Lebens auf der Erde gelernt haben für Fiktion und Fehldeutung. Stattdessen nimmt er die biblische Schöpfungsgeschichte beim Wort: Die Erde sei nicht 4,5 Milliarden Jahre alt, sondern nur 6 000 Jahre. Gott schuf den Menschen in sechs Tagen und Eva aus der Rippe von Adam. Bis zum Tag mit dem Apfel lebten sie im Garten Eden gemeinsam und friedlich mit den Dinosauriern, die damals noch Vegetarier waren. All das ist zu besichtigen im weltweit ersten Kreationismus-Museum, das der Verein im April in Petersburg, Kentucky, eröffnete. Die Neugier der Amerikaner ist groß. Bis Ende Juli wurden über 100 000 Besucher gezählt. AiG-Präsident Ken Ham frohlockt: "Das wird die evolutionäre Elite aufwecken."

150 Jahre nachdem Charles Darwin seine Thesen zur Entstehung der biologischen Arten veröffentlichte, lebt ein aberwitziger Kulturkrieg wieder auf zwischen Schöpfungsgläubigen und Forschern, die den Glauben - wie seit der Aufklärung üblich - aus der Wissenschaft heraushalten wollen. Der Streit tobt nicht nur in den USA, er hat Europa erreicht. Nach Angaben des Kasseler Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera, dessen Buch "Kreationismus in Deutschland" im Herbst in Neuauflage erscheint, bekennen sich hierzulande 1,3 Millionen Menschen zu dieser Lehre.

Was die Naturwissenschaftler daran vor allem irritiert: Die Argumentation der Kreationisten hat sich in den vergangenen 150 Jahren kaum verändert. Beim moderneren Ansatz namens Intelligent Design lautet die Kurzformel: Das Leben auf dieser Welt ist viel zu komplex, als dass es durch Zufall entstanden sein könnte. Dahinter müsse der Plan eines intelligenten Designers stecken.

Zwar beweisen neue Forschungsergebnisse täglich, dass die Grundannahmen der Darwin'schen Abstammungslehre stimmig sind: Die Evolution ist demnach ein seit Millionen Jahren andauerndes Wechselspiel aus zufälliger Mutation von Erbanlagen und einer anschließender Selektion der jeweils besten Variante. "Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn - außer im Lichte der Evolution", sagte schon der russisch-amerikanische Zoologe Theodosius Dobzhansky, der im vorigen Jahrhundert die Evolutionsforschung mit der Genetik vereinte. Biotechnisch hergestellte und entwickelte Medikamente und Therapien sollten die Menschen davon überzeugen, dass die modernen Lebenswissenschaften, die auf Evolutionslehre und Genetik aufbauen, so falsch nicht sein können. Doch das Gegenteil ist der Fall.

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