Epidemien
Viren greifen Meeresbewohner an

Viren verbreiten sich rasant, auch in den Weltmeeren. Die winzigen Erreger bedrohen nicht nur Meeressäuger, auch Korallen und andere Lebewesen sind betroffen. Wissenschaftler warnen vor zunehmenden Epidemien und machen den Klimawandel für die Entwicklung verantwortlich – doch das Wissen über die tödlichen Viren steckt in den Kinderschuhen.

DÜSSELDORF. Diese Bilder gingen um die Welt: qualvoll verendete Delfine an den Stränden Spaniens. Tierschützer und Meeresforscher erinnerte das Ereignis Anfang September an das große Delfinsterben in den Jahren 1990/91, bei dem Tausende von Streifendelfinen (Stenella coeruleoalba) starben. Die Meeressäuger hatten sich mit dem Morbilli-Virus angesteckt, besser bekannt als Staupe-Virus. Auch diesmal führen Wissenschaftler die Strandungen auf den Morbilli-Erreger zurück, der in seiner jetzigen Struktur stark dem damaligen Virus ähnelt.

Ereignisse wie diese bestärken unter Meeresforschern einen Verdacht: Die einzelnen isolierten Fälle von Epidemien unter Meerestieren könnten die Anzeichen für eine sich zunehmend verschlechternde Situation in den Weltmeeren sein.

Delfine sind nicht die einzigen Betroffenen solcher Krankheitswellen. Erstmalig 1988 kam es zu einer Staupe-Epidemie bei Seehunden und Schweinswalen in nordwesteuropäischen Gewässern, bei der rund 18 000 Tiere starben. Forscher vermuten, dass diese Variante aus der Barents- oder Grönlandsee durch Sattelrobben eingeschleppt wurde, aber die Übertragungswege dieser Tröpfchenviren im Wasser sind noch unbekannt. Ausbrüche mit Zehntausenden toten Tieren gab es auch bei Krabbenfresser-Robben in der Antarktis (1955), Robben im Baikalsee (1987/88) und im Kaspischen Meer (2000).

Ein Statusreport der Internationalen Walkommission von diesem Sommer sieht diese Entwicklungen mit großer Sorge. Allerdings, mahnt die Veterinärin Frances Gulland aus San Fancisco, gebe es zu wenig Forschungsmittel, um die Ursachen zu klären, ob beispielsweise mangelhafte Ernährung mit den Erkrankungen zusammenhängt. Sie forderte dringend die Einrichtung einer zentralen Datenbank zur Vorsorge.

Auch Hitzeperioden und gestiegene Wassertemperaturen stressen die Organismen zunehmend. Wie Pflanzen und Tiere an Land, so werden sich auch die Meeresbewohner in Zeiten des Klimawandels auf weitere Krankheitskeime einstellen müssen. Gefährlich sind besonders die Caliciviren, eine Gruppe von Viren, die von Landtieren auf Meerestiere überspringen können. Erste Fälle des West-Nil-Virus, einer teils tödlichen Grippeinfektion, die sich in einem wärmeren Europa breitmachen könnte, sind bereits bei Seehunden aufgetaucht.

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