Forschung + Innovation
Erbgut des Huhns hilft Rätsel der Humangenetik lösen

Ein internationales Forscherteam hat das Huhn-Erbgut entziffert und zum Teil analysiert. Die Erkenntnisse sollen auch dem menschlichen Erbgut weitere Geheimnisse entlocken.

dpa ST. LOUIS/LONDON. Ein internationales Forscherteam hat das Huhn-Erbgut entziffert und zum Teil analysiert. Die Erkenntnisse sollen auch dem menschlichen Erbgut weitere Geheimnisse entlocken.

Mensch und Huhn hatten vor etwa 310 Mill. Jahren den letzten gemeinsamen Vorfahren. Diese evolutionäre Nähe wollen Humangenetiker und Mediziner jetzt nutzen, um die Funktion tausender bisher noch rätselhafter Gene des Menschen zu erforschen.

Der internationale Verband mit 170 Forschern in 49 Instituten weltweit, das International Chicken Genome Sequencing Consortium, präsentiert seine Arbeit im britischen Wissenschaftsjournal „Nature“ (Bd. 432, S. 695, 717 und 761) vom Donnerstag. Mit rund einer Milliarde Basenpaaren ist das Genom des Huhns zwar um zwei Drittel kleiner als das des Menschen. Es enthält aber dennoch 20 000 bis 23 000 Gene und damit etwa so viele wie der Mensch nach jüngsten Schätzungen.

Die genetische Blaupause stammt von der Stammform des heutigen Haushuhns, dem Bankivahuhn (Gallus gallus), und wurde an der Washington University School of Medicine in St. Louis (Missouri) sequenziert. Über den ersten Entwurf dieses Huhn-Erbguts hatte das National Human Genome Research Institute (Nhgri) in Bethesda (US- Staat Maryland) bereits im März auf seiner Webpage berichtet. Damit hatten Genforscher erstmals ein Vogel-Erbgut entziffert.

David Burt vom Roslin-Institut in Edinburgh, aus dem das Klonschaf Dolly hervorging, nennt das Huhn-Genom einen „größeren Meilenstein“, weil mit ihm erstmals der Schlüssel zu einem landwirtschaftlich bedeutenden Tier vorliegt. Er könnte helfen, produktivere Legehühner mit besseren Abwehrkräften zu züchten und in Zukunft auf Antibiotika und andere Mittel verzichten, die aus dem Hühnerstall heute noch nicht wegzudenken sind.

Das Interesse am Erbgut des Huhns war auch durch den Ausbruch der Vogelgrippe im vergangenen Winter stark gestiegen. Wissenschaftler hoffen, aus dem Erbgut ablesen zu können, welche genetischen Variationen das Risiko einer Infektion mit der Vogelgrippe fördern oder verhindern. Darüber hinaus ist das Huhn ein ideales Modell zur Erforschung der embryonalen Entwicklung. Hühnerembryonen durchlaufen ähnliche Stadien wie die Embryonen von Säugetieren, sind aber - im Ei - viel leichter zu beobachten.

Mediziner gehen bei Hühnern inzwischen auch den Ursachen genetisch bedingter Krankheiten des Menschen nach. Weil es identische Symptome entwickelt wie der Mensch, dient das Huhn heute schon als Modell für Muskel-Dystrophie, Epilepsie und Immunschwäche, heißt es in „Nature“. Ganz besonders fasziniert aber sind Forscher von der Aussicht, das menschliche Erbgut mit Hilfe des Huhns weiter zu entdröseln. Auf der evolutionären Leiter liegt das Huhn in der Mitte zwischen dem Fisch und dem Menschen und könnte somit neue Erkenntnisse über die Entwicklung von Wirbeltieren liefern.

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