Erdgas und Wasserstoff haben große Zukunft
Klimawandel treibt Energie-Evolution an

Das Bier wird teurer – weil Bauern weniger Gerste und dafür mehr Pflanzen anbauen, die sich zu Biosprit verarbeiten lassen. Vattenfall baut eine Pilotanlage für das erste CO2-freie Kohlekraftwerk. Und Greenpeace fordert von Indien ein umfassendes Glühbirnen-Verbot. Allein diese Meldungen illustrieren: In der Energiepolitik ist einiges in Bewegung geraten.

DÜSSELDORF. „Das 19. Jahrhundert war das der Kohle, das 20. das des Öls“, sagt Ulrich Winkler, Sprecher der Deutschen BP: „Das 21. Jahrhundert wird vermutlich das des Erdgases werden, und das nächste das der Wasserstoffwirtschaft und der Solarenergie.“

Wie schnell sich diese Energie-Evolution vollziehen und was sie am Ende hervorbringen wird, hängt von vier Fragen ab: Wie werden aufstrebende Schwellenländer wie China ihren enormen Energiehunger decken? Wie stark wird die Konzentration von Öl- und Gasressourcen auf wenige Förderländer und damit die Sorge um die Versorgungssicherheit die Entwicklung alternativer Energien vorantreiben? Wie kann es gelingen, den Klimawandel zu stoppen? Und wie kann Energie trotz größerer Nachfrage bezahlbar bleiben?

„Ich halte den Klimawandel für die treibende Kraft der kommenden Energie-Evolution“, sagt Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Zusammen mit anderen Autoren arbeitet der Ökonom an einem Bericht des Weltklimarates (IPCC), der im Mai vorgelegt wird. Die Studie fasst den Stand der weltweiten Forschung darüber zusammen, wie sich die Erderwärmung noch bremsen ließe. Kaum jemand bestreite heute noch, dass dazu die Treibhausgasemissionen massiv zurückgefahren werden müssen, sagt Edenhofer. Und klar sei auch, dass Europa das Ziel, die weltweite Durchschnittstemperatur möglichst nicht um zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter ansteigen zu lassen, keinesfalls allein erreichen könne.

Das zeigt der Blick nach China: Das Land werde bis 2015 Kraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt 800 Gigawatt ans Netz nehmen – so viel wie in der heutigen EU, schätzt Fatih Birol, der bei der Internationalen Energie-Agentur (IEA) für den alle zwei Jahre erscheinenden World Energy Outlook verantwortlich ist. Und 95 Prozent dieser Kraftwerke werden mit Kohle befeuert werden. „Was in den nächsten zehn Jahren in China und Indien gebaut wird, ist wichtig für uns alle“, bekräftigt Birol.

Politik und Wirtschaft müssen Hand in Hand arbeiten, um die Energie-Evolution voranzutreiben, sagt Achim Steiner, Direktor des Uno-Umweltprogramms. Wichtigste Stellschraube ist dabei die Stromerzeugung, die heute knapp zwei Fünftel der Primärenergie verschlingt. Da aber immer noch 1,6 Milliarden Menschen ohne Elektrizitätsversorgung leben, wird sich der weltweite Strombedarf bis 2030 verdoppeln, schätzt die IEA. Da man aber etwa China kaum verwehren könne, die heimischen Kohlevorräte zu verfeuern, hänge viel davon ab, ob es gelinge, in Kraftwerken künftig den Klimakiller Kohlendioxid aufzufangen und zu deponieren, sagt Birol. Allerdings wird es wohl noch mindestens 20 bis 30 Jahre dauern, bis die Clean-Coal-Technologie wirtschaftlich ist. Bei der Betrachtung des Strommarktes der Zukunft werde man daher wohl nicht umhinkommen, so Birol, auch die „Kernenergie mit neuen Augen anzuschauen“.

Allerdings zeigt etwa die Debatte über den deutschen Atomausstieg, dass das Klimaschutzziel oft mit politischen Festlegungen oder anderen Zwängen kollidiert: „Natürlich können wir künftig mehr Gaskraftwerke bauen“, weiß Klimaforscher Edenhofer, „aber damit werden wir natürlich unsere Abhängigkeit von wenigen Lieferländern noch weiter erhöhen.“

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