Erdgeschichte
Überleben im Kometenhagel

Vor vier Milliarden Jahren lag die Erde unter schwerem Beschuss: Ein Hagel von Asteroiden regnete auf unseren Heimatplaneten und heizte die Erdkruste immer wieder auf. Schlechte Karten für unsere frühen Vorfahren, so die gängige Theorie. Doch zwei US-Forscher sind überzeugt, dass der Beschuss die Entstehung des Lebens sogar begünstigt haben könnte.
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HEIDELBERG. Das Ende war nah, und die Tage der Erde hätten schon gezählt sein können, ehe sich unsere Heimat überhaupt zu voller Blüte aufschwingen konnte: Noch in seiner Kindheit, etwa 100 Millionen Jahre nach der Entstehung, traf ein veritables Geschoss in Form eines etwa marsgroßen Planeten die Erde. Der Brocken riss ein riesiges Stück aus unserem Heimatplaneten, das später den Mond bildete, der seit dieser kosmischen Katastrophe im Zeitalter des Hadaikums (abgeleitet von Hades, der Unterwelt der griechischen Mythologie) um seine unfreiwillige Mutter kreist.

Auf der Erde selbst wurde durch den Einschlag vor 4,5 Milliarden Jahren die Entwicklung vom ungemütlichen Feuerball zum kühlen Festkörper jäh unterbrochen: Die sich bildende Erdkruste schmolz unter der freigesetzten Energie des Treffers wieder auf, und glutflüssige Magma zirkulierte wieder um den Planeten. Leben konnte sich hier noch lange nicht entwickeln. Dieses sollte sich erst einige hundert Millionen Jahre später im Archaikum bilden, doch sind diese fossilen Bakterienspuren ebenso umstritten wie einige, angeblich organische Kohlenstoffnachweise aus der Zeit um 4,2 Milliarden Jahre vor heute.

Allerdings steht die These von einer derart frühen Entstehung des Lebens unter schwerem Beschuss - im wahrsten Sinne des Wortes: Denn nach dem großen Einschlag beruhigte sich die Situation keineswegs. Im Gegenteil hagelten weiterhin Asteroiden verschiedenster Größe auf die Erde und heizten die Erdkruste immer wieder auf. Vor allem während des so genannten Großen Bombardements (Late Heavy Bombardement, LHB) vor 4,1 bis 3,9 Milliarden Jahren ging ein regelrechtes Trommelfeuer auf Erde, Mond, Mars, Venus und Merkur nieder: Die zahlreichen Krater unseres Trabanten zeugen heute noch davon.

Kaum ein Erdgestein blieb aus dieser Zeit erhalten, und es erscheint aussichtslos das etwas Lebendiges durch diese Zeit kommen konnte - selbst wenn es schon davor existiert hatte. Doch genau dies halten Oleg Abramov und Stephen Mojzsis von der University of Colorado in Boulder für möglich: Ihrer Meinung nach reichte der Beschuss aus dem All bei Weitem nicht aus, um den gesamten Erdkörper inklusive der sich darauf bildenden Urozeane zu sterilisieren. Stattdessen könnte Leben an geschützten Orten sehr wohl überdauert haben. Die beiden Geologen schließen nicht einmal aus, dass die Mikroben von diesen Treffern profitierten.

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