Erfinder
Alles eine Sache des Bauchgefühls

Auf der weltgrößten Erfindermesse in Genf haben nur wenige Daniel Düsentriebs eine Chance auf das große Geld. Dabei haben viele Erfinder gute Ideen. Doch sie machen einen entscheidenden Fehler.

GENF. Der Rasierpinsel gefällt Graham Thomas. Er lässt sich direkt auf die Flasche mit dem Rasierschaum drehen. So quillt der weiße Schaum direkt in den Pinsel, dann dreht sich der Pinsel auf den Bartstoppeln. Handlich ist das und praktisch – und das Ding sieht auch noch gut aus. Der Schotte ist sehr interessiert.

Der Endvierziger arbeitet für die britische Firma Patent Plan. Für ihn ist die 35. Erfindermesse in Genf, die noch bis Sonntag läuft und die die größte ihrer Art weltweit ist, „ein echtes Muss“, eine potenzielle Goldgrube. Denn Patent Plan lebt davon, Erfinder beim Weg von der Idee zum patentierten Produkt zu assistieren.

Findet Graham Thomas eine Neuheit mit Potenzial, nimmt Patent Plan den Erfinder an die Hand, hilft bei Patentanträgen und stellt Kontakt zu großen Firmen her. Beiläufig streut Thomas Namen ein, für die er schon arbeitete: von Jaguar bis Unilever. Und bei fast 1 000 Geistesblitzen von über 700 Ausstellern aus 42 Ländern müsste doch etwas Vielversprechendes für Thomas und seine illustren Kunden dabei sein.

Und seine Kriterien? Graham Thomas bleibt vage. Viel habe mit Bauchgefühl zu tun. Aber auf das Design achte er besonders: Schönes verkauft sich eben besser. Und die Persönlichkeit des Erfinders sei fast so wichtig wie die Erfindung selbst. „Viele Erfinder haben gute Ideen“, sagt Graham, „aber nicht alle können ihre Neuheiten auch gut präsentieren.“ Deshalb bleiben seiner Meinung nach so viele Erfindungen links liegen. Dann verabschiedet sich Thomas, fixiert mit seinen wasserblauen Augen den nächsten Stand und taucht im Gewühl der Erfinder unter. Beim Goldsuchen bleibt er lieber allein.

Was hält Thomas’ Bauch wohl von den Roll-Laden der „Patent-Verwertungsgemeinschaft“ aus Groß-Umstadt im Odenwald, die sich auch von unten schließen lassen? „Wenn die Roll-Laden der Balkontür sich auch von unten schließen lassen, bietet das Sicherheit für ihre Kinder“, werben die Erfinder. Die Kleinen könnten nicht mehr ausreißen. Und: „Tageslicht und frische Luft kommt herein, die Zugluft bleibt draußen.“ Das Modell am Messestand funktioniert gut, der Prospekt ist respektabel – die Erfinderhausaufgaben wurden ordentlich erledigt.

Ein Stück weiter wirbt Vitaly Gnatenko für seine Idee: Er will das Leben aller Köche revolutionieren – mit einem Kochtopfdeckel, der beim Abgießen des Wassers nicht runterfällt. „Das Runterfallen des Topfdeckels ist ein sehr großes Problem in der Küche“, doziert der Mann aus Kiew. „Fallende Deckel lösen Wasserlachen und Scherben aus, sie können gar zu Verletzungen führen.“

Der Ukrainer hat an allen vier Seiten des Deckels einen „Flügel“ angebracht. Diese Flügel halten den Deckel auf dem Topf. Eine Demonstration zeigt: Es klappt. „Ich bin professioneller Erfinder, die Flügel könnten etwa meine 60. Neuheit sein“, sagt Gnatenko. Nur gibt es solche Töpfe längst von Herstellern wie Fissler – wohl kein viel versprechendes Geschäft für Firmen wie Patent Plan.

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