Erfindermesse in Genf
Beim Gipfeltreffen der Düsentriebs

Schleudersitz fürs Auto, Karaoke fürs Handy, eine Toilette zum Mitnehmen: Auf der Erfindermesse in Genf haben Tüftler aus alle Welt ihre neuesten Ideen vorgestellt. Ein Rundgang.
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GenfDas Thema ist ja durchaus ein bisschen heikel, aber Monsieur Helewa geht es ganz offen an. „Sehen Sie“, sagt er mit französisch eingefärbtem Englisch, „Sie stecken das hier zusammen, legen den Beutel auf die Öffnung, fertig“.

Laurent Helewa, schwarze Locken, offenes Hemd, blau getönte Brille, ist Erfinder. Und das, was er da so begeistert zeigt, ist ein tragbares Klo. Der „Carebag“ ist die neueste Entwicklung des Franzosen: ein kniehoher, tarnfarbener Kubus aus Pappe, ausgestattet mit Einmal-Beuteln, die ihren Inhalt mit Hilfe von Chemikalien keim- und geruchsarm halten sollen. Das ganze natürlich ressourcenschonend, denn Wasser ist nicht nötig.

Der ehemalige Zahnarzt, der mit seiner Pariser Firma Cleanis schon ein paar Jahre in der Hygienebranche mitmischt, wittert das große Geschäft: Camper mit Kindern, Wanderer im Wald oder die Streitkräfte, denn auch der Capitaine im afrikanischen Dschungel muss ja mal. „Man kann den Carebag auch in Katastrophengebieten nutzen, wo die Gefahr von Ansteckungen groß ist“, sagt Helewa. So sei er auch auf die Idee gekommen: „Denken Sie an den Hurrikan Katrina, 50.000 Menschen im Superdome von New Orleans ohne Toiletten, was meinen Sie, was da los war“.

In den vergangenen Tagen hat Helewa versucht, für seine "Toilette to go" Interessenten zu finden. Gemeinsam mit mehr als 700 anderen Tüftlern aus der ganzen Welt, die sich zur 39. Internationalen Erfindermesse in Genf versammelten. Ein Forum für Wissenschaftler und Forschungsinstitute, diesmal zum Schwerpunkt Umweltschutz und Energieeffizienz. Aber auch ein Treffen der Tüftler, die Jahre und viel Geld in ihr Werk stecken - in der Hoffnung, irgendwann den Durchbruch zu schaffen.

So wie Martin Ecker. Der Handwerker aus Bayern ist unter den vielen Anzugträgern klar auszumachen, denn auf seinem schwarzen T-Shirt steht in großen neongelben Buchstaben „Ask me!“. „Ich fall hier ein bisschen raus bei den ganzen Professoren“, sagt der stämmige Mann mit den Stoppelhaaren und dem gewinnenden Lächeln. Er hat eine einfache Vorrichtung namens „Tragfix“ ausgetüftelt, mit der sich Säcke luftdicht verschließen und gut tragen lassen.

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