Erfindungen
DDR-Patente sind ab November Geschichte

Am heutigen Sonntag läuft das letzte DDR-Patent aus. Der Ingenieur Dieter Mosemann hatte es am 2. Oktober 1990 angemeldet, einen Tag vor der Wiedervereinigung. „Das war reiner Zufall. Ich war selbst überrascht, dass ich der letzte war“, sagt Mosemann. Unter den angemeldeten Patenten finden sich auch einige Kuriositäten.
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BERLIN. Der Chef der Verdichterentwicklung des volkseigenen Betriebs VEB Kühlautomat in Berlin war einer der fleißigsten Erfinder der DDR. Und einer der erfolgreichsten. Mit seinem Team entwickelte Mosemann Schraubenverdichter für Kühlanlagen, die bis heute weltweit gefragt sind. Sie klimatisieren Flughäfen und Wolkenkratzer, ermöglichen das Skifahren in einer Halle in Abu Dhabi, laufen in Brauereien und Molkereien und kühlen Vertriebszenten der größten deutschen Lebensmittelhändler.

Zu DDR-Zeiten habe der VEB Kühlautomat kein Geld für die Patentgebühr in den USA gehabt und sei dort sofort kopiert worden. "Als wir dann in den USA auf den Markt wollten, wurden wir gestoppt. Wir mussten die Amerikaner erst aufklären, dass sie unsere Erfindungen benutzen und nicht umgekehrt", sagt Mosemann.

"Jedes fünfte Patent auf dem Gebiet kommt von Kühlautomat", sagt er. Bis zur Wende hatte sein Betrieb über 100 Erfindungen angemeldet - 71 davon tragen Mosemanns Namen. Der Schraubenverdichter mit der Patentnummer DD 298536 war seine letzte Erfindung, die beim DDR-Patentamt eingetragen wurde. Nach der Wende wurde der VEB vom deutschen GEA-Konzern übernommen, und seither hat Mosemann gut 80 weitere Patente angemeldet. "Die letzte Sache vor drei, vier Wochen", sagt der 67-Jährige.

Als junger Ingenieur frisch von der TU Dresden fing Mosemann in einer Diesellok-Motorenfabrik an. Als die Sowjetunion von der DDR keine Loks mehr wollte, sondern Kühlschiffe mit Schraubenkompressoren, wechselte er die Stelle. "Eine schwedische Firma hatte alle Patente, wir hätten pro Patentbenutzung, also für jeden einzelnen Verdichter, 3 000 DM zahlen müssen", erklärte Mosemann. "Da jede DM mit 4,80 DM der DDR bezahlt werden musste, haben wir angefangen, uns selbst um den Verdichter zu kümmern. Wir waren sehr motiviert."

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  • Lieber Siggi40, die Leute die Sie meinen sind Firmenchefs und Politiker. Diese haben hüben wie drüben weder Können noch technisches Wissen. Das müssen sie auch nicht, denn sie haben ihre fachlichen berater.
    Sie können sich aber gern mit Leuten der TU Dresden oder ilmenau auf ein fachliches technisches Gespräch einlassen und somit prüfen, ob diese so unfähig sind, wie Sie das darstellen. Thesen und Parolen sind immer schnell rausgehauen.
    Wenn ich aber das heutige bildungssystem sehe, dann haben wir im naturwissenschaftlichen bereich seit der Wende Federn gelassen, denn früher kam der heutige Abiturstoff in Klasse 10, sicherlich auch, weil die bildungsschwerpunkte verlagert wurden.
    Tja und über das Mangelwirtschaftsproblem konnte der Westen natürlich nur lachen. Was soll man aber produzieren, wenn man z.b. keinen Stahl hat, auch heute die Grundvoraussetzung, den einem weder die "Verbündeten" noch der Westen zu einem normalen Weltmarktpreis liefern will. Da muß man dann solche "verrückten" ideen haben, Autos aus Pappe zu bauen. Charakteristik der DDR-industrie war: Rohstoffe teuer einkaufen, Fertigprodukte billig verkaufen - oder gleich zum Nulltarif an die Russen senden, als "Reparation". Unter diesem Vorraussetzungen hat eine industrie nun mal keine Chance, da nützen auch gute ingeniere nix.

  • Herr Mosemann war ein Leuchtturm in der DDR und wird sogar in die Geschichte der DDR eingehen, davon bin ich überzeugt. Aber sonst galt: „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“.

    in der Regel ersparte man sich langwierige Forschungen und Entwicklungen bei Produktionsabläufen, indem man durch betriebsspionage im Westen viel schneller und billiger sein Ziel erreichte. Die Stasis hatten ihre eigene Methoden, z.b. durch Erpressung an das erwünschte Ergebnis zu kommen, ohne sogar dafür zahlen zu müssen. Und was man 40 Jahre lang gelernt hat, kann man heute immer noch gut gebrauchen. Man kann ja sonst nix.

    „Lizenzen ins Ausland zu verkaufen, gelang der DDR selten“. Schon klar, was man im Westen geklaut hatte, konnte man ja schlecht noch dort hin verkaufen. Logisch.

    Obwohl ich in meinen 13 Jahren DDR-Aufenthalt viel mit Selbständigen, Geschäftsführern und Unternehmern zu tun hatte, war kein einziger „Leuchtturm“ a la Herr Mosemann dabei. Ganz im Gegenteil. ich habe gerade mal eine Hand voll Leute kennen gelernt, die ihr Geld mit ehrlicher Arbeit verdienten und auf 3 zählen konnten.

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