Forschung + Innovation
Erste europäische Mission zur Venus gestartet

Die erste europäische Mission zur Erforschung der Venus ist erfolgreich gestartet.

dpa DARMSTADT/BAIKONUR. Die erste europäische Mission zur Erforschung der Venus ist erfolgreich gestartet. Die Raumsonde „Venus Express“ der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) trat am Mittwoch vom russischen Raumfahrtbahnhof Baikonur in Kasachstan ihre Reise an, um die Geheimnisse des heißesten Planeten im Sonnensystem zu lüften.

Wissenschaftler erhoffen sich aus dem Einblick in ihre Atmosphäre auch Rückschlüsse auf die Klimaveränderungen der Erde. Zwei Stunden nach dem Start meldete das Esa-Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt, die Sonde habe sich planmäßig von ihrer Trägerrakete getrennt. Alle Bordsysteme funktionierten einwandfrei, und die Sonnensegel hätten sich entfaltet.

„Wir hatten einen perfekten Start“, sagte der Direktor des Darmstädter Kontrollzentrums, Gaele Winters. Nach Angaben von Flugdirektor Manfred Warhaut brachte die russische Sojus/Fregat- Rakete die Sonde fast exakt auf die gewünschte Bahn. In den kommenden Tagen sind noch minimale Kurskorrekturen nötig. Danach stehen bis Mitte Dezember umfangreiche Tests der Sonde und ihrer Instrumente an.

„Venus Express“ soll den Nachbarplaneten der Erde im April 2006 erreichen und rund 500 Tage lang seine Atmosphäre und Oberfläche erforschen. Mit Hilfe von sieben wissenschaftlichen Instrumenten soll die 1,27 Tonnen schwere Sonde dazu aus einer Umlaufbahn zwischen 250 und 66 000 Kilometern Höhe umfangreiche Daten unter anderem über Temperatur, Zusammensetzung und Dichte der Atmosphäre sammeln.

„Wir haben große Erwartungen“, sagte Esa-Generaldirektor Jean- Jacques Dordain. Um die Entwicklung des Klimas auf der Erde zu verstehen, gelte es, die allgemeinen Mechanismen von Planetenatmosphären zu entschlüsseln. Die Venus sei in dieser Hinsicht von besonderem Interesse, weil sie und die Erde einmal große Ähnlichkeit aufgewiesen hätten. „Wir müssen verstehen, warum und wie sie sich ab einem bestimmten Punkt so unterschiedlich entwickeln konnten, dass der eine Planet die Wiege des Lebens wurde, während sich der andere in eine wahre Hölle verwandelte“, sagte er.

Neue Erkenntnisse soll die Mission auch über die Zusammensetzung der Venus-Oberfläche liefern. Dazu macht sich die Esa unter anderem erst kürzliche entdeckte Infrarot-Sichtfenster in der ansonsten weitgehend undurchsichtigen Atmosphäre des Planeten zu Nutze.

Erste Forschungsergebnisse von „Venus Express“ sind nach Einschätzung des Leiters der Esa-Planetenprogramme, Gerhard Schwehm, im kommenden Sommer zu erwarten. „Wir werden viel mehr über die Venus erfahren, als wir heute wissen“, zeigte er sich überzeugt. Die letzte Mission hatte den Planeten 1994 erreicht. Derzeit ist neben „Venus Express“ auch eine US-Sonde auf der Reise zu dem Himmelskörper. „Messenger“ soll auf seinem Weg zum sonnennächsten Planeten Merkur 2006 und 2007 zwei Mal an der Venus vorbeifliegen und dabei seine Messinstrumente testen.

Für ihre 220 Mill. Euro teure Mission griff die Esa auf zahlreiche Technologien und Instrumente zurück, die sie bereits für die Kometensonde „Rosetta“ sowie für „Mars Express“, ihre erste Mission zu einem anderen Planeten, entwickelt hatte. Dadurch sanken die Kosten um die Hälfte, und die Zeit von der Entscheidung zum Bau der Sonde bis zu ihrem Start verkürzte sich auf drei Jahre.

Ursprünglich hatte „Venus Express“ schon vor zwei Wochen starten sollen. Wegen einer Verunreinigung der Trägerrakete wurde der Termin jedoch verschoben. Anfang Oktober hatte die Esa ihren Klimasatelliten „Cryosat“ wegen Problemen mit einer russischen Rockot-Trägerrakete verloren.

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