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Erster Gentechnologiebericht erschienen

Vermehrte Gen-Untersuchungen vor der Geburt eines Kindes haben in Deutschland bisher nicht zu einer steigenden Zahl von Abtreibungen geführt. Das ist ein Ergebnis des 570 Seiten starkes Gentechnologieberichts, den Wissenschaftler am Mittwoch in Berlin präsentierten.

dpa BERLIN. Vermehrte Gen-Untersuchungen vor der Geburt eines Kindes haben in Deutschland bisher nicht zu einer steigenden Zahl von Abtreibungen geführt. Das ist ein Ergebnis des 570 Seiten starkes Gentechnologieberichts, den Wissenschaftler am Mittwoch in Berlin präsentierten.

Damit wollen sie der Politik, Nichtregierungs-Organisationen und einer interessierten Öffentlichkeit Stellungnahmen zum Stand der Gentechnologie geben. Der Bericht, an dem Forscher vier Jahre lang gearbeitet haben, wurde von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben.

In der Medizin ist Gentechnologie inzwischen weit verbreitet. In Deutschland nähmen beispielsweise rund 80 000 Schwangere im Jahr das Angebot einer Erbgutuntersuchung vor der Geburt eines Kindes in Anspruch, sagte der Humangenetiker Karl Sperling. Mit Hilfe dieser Untersuchung lassen sich schwere, nicht behandelbare geistige oder körperliche Behinderungen eines Kindes erkennen. Frauen über 35 Jahren wird zu einer Erbgutuntersuchung des Kindes geraten.

Eine Berliner Studie zeige im Detail, dass es 1977 rund 2 348 Abtreibungen auf Grund einer Diagnostik vor der Geburt (fetopathische Indikation) gab, berichtet Sperling. 1999 seien es nur noch 1 500 gewesen. Insgesamt gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2004 rund 129 600 Schwangerschaftsabbrüche. Im Jahr 1996 waren es 130 900.

Beim Thema Grüne Gentechnologie - beispielsweise gentechnisch verändertem Mais - beurteilen die Forscher die rechtlichen Regelungen in Deutschland als ausreichend. Allerdings befürchten sie, dass deutschen Forschern durch zu wenig Versuche auf Feldern ein Erfahrungsverlust auf diesem Gebiet droht. In Deutschland gab es 2004 beispielsweise nur 285 Freisetzungsversuche - zum Teil unter heftigem Protest.

Die zweite Generation gentechnisch veränderter Pflanzen, die neben Herbizid- und Insektenresistenz auch auf Nährstoffzusammensetzung und Kraft der Pflanzen gegen widrige Umweltbedingungen setzt, werde in Europa bisher kaum erprobt, kritisierte der Molekularbiologe Bernd Müller-Röber.

Die politische Botschaft der an dem Bericht beteiligten Molekularbiologen, Humangenetiker und Ethiker ist eindeutig. „Wir möchten dazu beitragen, dass dramatische neue Entwicklungen nicht von vorne herein blockiert werden“, sagte Ferdinand Hucho, Biochemiker an der Freien Universität. Vielmehr sollten sie kontrolliert und beobachtet werden, um dann mögliche Probleme zu diskutieren. Von einer neuen Bundesregierung erwarten sich die Wissenschaftler deshalb unter anderem eine Novellierung des Stammzell- und Gentechnikgesetzes.

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