Erster Schritt zum Mars
Die Nasa testet ihr Raumschiff Orion

Sie hat keine Bügeleisen an Bord und wird nicht mit Anspitzern gesteuert: Mit dem Raumschiff-Klassiker der 60er teilt die Nasa-Raumkapsel Orion nur den Namen. Jetzt ist sie zu ihrem ersten Testflug ins All gestartet.
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BerlinEinst brachte die US-Weltraumbehörde Nasa Menschen auf den Mond, heute muss sie ihre Astronauten in russischen Sojus-Kapseln ins All befördern – und dafür horrende Summen bezahlen. Seit dem Einmotten der Space Shuttles im Sommer 2011 sind amerikanische Astronauten auf russische Hilfe angewiesen, wenn sie ins Weltall fliegen wollen. Jetzt hat die Nasa einen wichtigen Schritt getan, um sich von russischer Technologie wieder unabhängig zu machen. Am heutigen Freitag startete von Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida die hochmoderne neue Raumkapsel Orion zu einem Testflug ins All.

An Bord einer Rakete vom Typ Delta IV hob die unbemannte Orion-Kapsel pünktlich um 13.05 MEZ in Richtung Weltraum ab. Es war der zweite Startversuch, nachdem der eigentlich für Donnerstag geplante Start unter anderem wegen technischer Probleme verschoben werden musste. Laut Nasa benötigte Orion 17 Minuten, um den vorgesehenen Orbit zu erreichen.

Die Raumkapsel soll in einer Höhe von 5800 Kilometern zweimal die Erde umkreisen. Läuft alles nach Plan, wird Orion rund viereinhalb Stunden später im Pazifik landen, etwa tausend Kilometer südwestlich der kalifornischen Küste.

Die Nasa will unter anderem den Hitzeschild von Orion überprüfen, der Temperaturen von 2200 Grad Celsius beim Wiedereintritt in die Atmosphäre aushalten muss. Auch die Trennung der Kapsel von der Rakete beim Start sowie die Landung per Fallschirm im Ozean sollen getestet werden. Mit Spannung erwarten die Nasa-Ingenieure zudem Messungen, wie hoch die Strahlenbelastung in der Kapsel ist.

Ursprünglich war die Orion-Kapsel Teil des Constellation-Programms, das der frühere US-Präsident George W. Bush nach der Explosion des Space Shuttles Columbia im Jahr 2003 ins Leben rief, um Menschen zum Mond oder sogar zum Mars zu befördern. Sein Nachfolger Barack Obama strich das Programm im Jahr 2010 jedoch drastisch zusammen und verordnete der Nasa aus Kostengründen eine engere Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtunternehmen.

Das Design der Orion-Kapsel konnte die Nasa aber retten – nicht zuletzt, weil für die Entwicklung des Raumfahrzeugs bereits 4,7 Milliarden Dollar ausgegeben worden waren. Nun soll Orion bei der Umsetzung der ehrgeizigsten Ziele der Raumfahrtbehörde helfen: Menschen auf einem Asteroiden und schließlich sogar auf dem Mars abzusetzen.

Der Testflug bringe die US-Weltraumbehörde Nasa „einen Schritt näher“ zu einer bemannten Orion-Mission, sagte Nasa-Chef Charles Bolden kurz vor dem Start. „Der Star des Tages ist Orion“, erklärte er. „Tag eins der Mars-Ära.“

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