Esa
Heiligabend-Lichtschweif war Sojus-Rakete

Ein rasender Lichtstrahl am Himmel zu Heiligabend - ein Ufo, der Stern von Bethlehem oder gar der Weihnachtsmann? Die Weltraumbehörde Esa setzt den Spekulationen ein Ende.
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BerlinEin heller Lichtschweif, der Heiligabend über den europäischen Nachthimmel raste und viele Menschen in Aufregung versetzte, war ein verglühendes Raketenteil. „Es handelte sich dabei um eine Oberstufe der Sojus-Rakete, die kürzlich drei Weltraumfahrer zur Internationalen Raumstation ISS gebracht hat“, sagte der Sprecher der Europäischen Weltraumbehörde Esa in Darmstadt, Bernhard von Weyhe, am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor war über einen Meteoriten und sogar einen Flugzeugabsturz spekuliert worden.

„Die Raketenteile sind etwa 80 Kilometer über der Erde verglüht. Die Flugrichtung war von Westen nach Osten“, erklärte der Esa-Sprecher weiter. „Beim Eintritt in die Atmosphäre hatten sie etwa eine Geschwindigkeit von 25.000 bis 28.000 Stundenkilometern.“ Eine Gefahr für die Menschen auf der Erde habe zu keiner Zeit bestanden. „Je weiter Teile in die Erdatmosphäre eintreten, desto mehr zerbrechen und verglühen sie.“

Augenzeugen hatten von glühenden Streifen mit einem breiten Schweif gesprochen. Hörer riefen am 24. Dezember aufgeregt bei Radiosendern an. Was war das bloß? Eine Sternschnuppe, eine Rakete oder gar der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten? Eine Hörerin des Radiosenders Antenne Thüringen meinte: „Ganz toll, es war sehr beeindruckend.“ Eine andere Augenzeugin sagte: „Auch wir haben das Lichtspektakel gesehen, auf dem Heimweg von der Kirche. Unsere Tochter fand es wie eine Kutsche vom Weihnachtsmann mit Elchen.“

Im Baden-Württemberg löste die Polizei Alarm aus, weil mehrere Zeugen an einen Flugzeugabsturz glaubten. „Alle Anrufer, Autofahrer, Passanten, Gottesdienstbesucher, die auf dem Weg zur Kirche waren, sahen am klaren Himmel einen leuchtenden Feuerball mit einem Schweif auf die Erde stürzen, der sich am Ende in mehrere brennende Einzelteile auflöste“, sagte der Tuttlinger Polizeisprecher Wolfgang Schoch. Nach zwei Stunden gab die Polizei Entwarnung.

Auch in Bayern meldeten sich besorgte Bürger bei der Polizei. „Der Stern von Bethlehem hat sich nach Schweinfurt verirrt“, sagte der dortige Polizeisprecher Peter Göller schmunzelnd. Bei dem Mannheimer Ufo-Phänomen-Erforscher Werner Walter gingen ab dem späten Nachmittag des 24. Dezembers mehr als 50 Anrufe und E-Mails ein. „30 Sekunden war die Erscheinung zu sehen“, sagte Walter am Montag der dpa.

Inzwischen ist das rätselhafte Himmelsphänomen, das über Teilen Deutschlands, Belgiens, Frankreichs und der Niederlande zu sehen war, aufgeklärt: Die Esa ist sich sicher, dass ein verglühendes Stück der Sojus-Rakete den Lichtschweif hinter sich her gezogen hat, also Weltraumschrott. Dies hätten Untersuchungen einer Esa-Expertengruppe unter Prof. Heiner Klinkrad eindeutig ergeben, sagte von Weyhe.

Am Mittwoch war eine Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet, um drei Weltraumfahrer zur Internationalen Raumstation ISS zu bringen. Am Freitag hatten der Russe Oleg Kononenko, der US-Amerikaner Donald Pettit und der Niederländer André Kuipers planmäßig den Außenposten der Menschheit in 350 Kilometern Höhe erreicht.

Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt DLR treten jährlich 60 bis 70 Tonnen Weltraumschrott die Erdatmosphäre ein. DLR-Sprecher Andreas Schütz hatte am Sonntag zunächst auch einen Meteoriten für möglich gehalten, aber auch Weltraumschrott hatte er nicht ausgeschlossen. „Aufgrund der Intensität und der Leuchtdauer muss es sich um ein sehr großes Teil gehandelt haben.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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