ETCS
Europas Weg zur Einheit auf der Schiene

Das European Train Control System soll den Schienenverkehr innerhalb Europas vereinheitlichen. Am Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt werden ETCS-Komponenten auf Herz und Nieren geprüft.
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DüsseldorfMal erlischt für Bruchteile von Sekunden das Licht, mal muss der Hochgeschwindigkeitszug an einer Grenze halten und die Reise dauert dadurch länger: Wer mit der Bahn durch Europa fährt, spürt die Folgen der mehr als 20 unterschiedlichen Zugleit- und -sicherungssysteme mitunter ganz konkret. Das einheitliche europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS (European Train Control System) soll hier in Zukunft Abhilfe schaffen.

„ETCS soll einen barrierefreien Übergang zwischen den Ländern in Europa ermöglichen, ohne dass Züge mit bis zu sieben verschiedenen Systemen der Leit- und Sicherungstechnik ausgestattet sind“, erklärt Karsten Lemmer, Direktor des Instituts für Verkehrssystemtechnik am DLR. Mit seinem neu akkreditierten Prüflabor RailSiTe (Railway Simulation and Testing) will das DLR künftig ETCS-Komponenten auf Herz und Nieren prüfen. „Das ist unser Beitrag zur Einführung von ETCS“, so Lemmer.

Im Zug bildet ein komplexer Bordcomputer das ETCS-Herzstück. Er leitet die Signale weiter, steuert die Kommunikation mit der Strecke und dem Stellwerk, also der Leitzentrale, gibt das Tempo vor und kennt den Fahrplan. Der Zugführer überwacht das System und kann natürlich jederzeit eingreifen.

„Wichtig ist, dass diese Geräte und ihre Komponenten in jeder Situation hundertprozentig funktionieren“, sagt Lemmer. Hier setzt die Arbeit im RailSiTe an: Das Eisenbahnprüflabor – bestehend aus einer Vielzahl von vernetzten Rechnern – simuliert komplette Zugfahrten mit realen Bordcomputern unterschiedlicher Hersteller.

„Wir testen die Geräte primär darauf, ob sie den technischen Vorgaben von ETCS entsprechen“, sagt Lemmer. Ein Test kann dabei mehrere Wochen dauern, die DLR-Wissenschaftler untersuchen rund hundert Sequenzen mit jeweils mehreren hundert Testschritten.

Ablauf und Ergebnisse werden genau protokolliert. Damit kann der Hersteller für die Zulassung eines neuen Geräts sein ETCS-konformes Funktionieren nachweisen. „Dazu fahren in unserem Labor die Züge mit ETCS-Technik auf Strecken mit ETCS-Technik“, erläutert Lemmer. Welche Bedeutung dem in Deutschland bislang einzigartige Labor künftig zukommen wird, verdeutlicht ein Blick auf die Zahlen: Allein in Deutschland sollen bis 2020 rund 8000 Streckenkilometer mit ETCS ausgestattet werden – das Investitionsvolumen umfasst mehrere Milliarden Euro.

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