EU-Projekt untersucht Gefahren
Klimawandel zerstört Baudenkmäler

Es wird weltweit wärmer, der Meeresspiegel steigt, Extremwettersituationen werden sich häufen, vor allem Stürme. Der menschengemachte Klimawandel und die Umweltverschmutzung bedrohen nicht nur die Zukunft des Menschen, sondern auch die stummen Zeugen seiner Geschichte. Die Veränderungen beschleunigen den Verfall architektonischer Kulturgüter. Ein EU-Projekt untersucht die Gefahren.

DÜSSELDORF. „Braut des Meeres“ heißt die Klippe, auf der eines der bekanntesten Baudenkmäler der Ostseeküste steht. Im 15. Jahrhundert wurde in Hoff (polnisch Trzesacz) in Hinterpommern eine spätgotische Kirche errichtet. Heute bleibt davon nur noch ein spärlicher Rest der Südwand. Ursprünglich war die Küste zwei Kilometer von der Kirche entfernt, doch im Laufe der Jahrhunderte drang die Ostsee immer weiter landeinwärts vor. Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte sie das Bauwerk und riss seit 1900 große Teile davon mit sich. Dieses Schicksal könnte bald auch andere Kulturgüter an europäischen Küsten erwarten.

Es wird weltweit wärmer, der Meeresspiegel steigt, Extremwettersituationen werden sich häufen, vor allem Stürme. Der menschengemachte Klimawandel und die Umweltverschmutzung bedrohen nicht nur die Zukunft des Menschen, sondern auch die stummen Zeugen seiner Geschichte. Die Veränderungen beschleunigen den Verfall architektonischer Kulturgüter.

Um die Auswirkungen der Klima- und Umweltveränderungen auf historische Bauwerke in den kommenden 100 Jahren zu untersuchen, hat die Europäische Kommission 2004 das Forschungsprojekt Noah’s Ark (Arche Noah) ins Leben gerufen. Beteiligt sind zehn europäische Forschungseinrichtungen, die in einem ersten Schritt die für Bauwerke relevanten meteorologischen Parameter und deren Veränderungen untersuchen. Die Auswirkungen auf historische Denkmäler werden dann analysiert und bewertet. Noah’s Ark soll schließlich Strategien vorschlagen, um den Schäden entgegenzuwirken und die Kulturgüter zu schützen. Anhand der Ergebnisse sollen zum Jahresende, wenn das Projekt beendet ist, im Internet einsehbare Karten und ein Atlas entstehen. Die Gefahren für Kulturgüter werden so auf Basis der verschiedenen Zukunftsszenarien für die Klima-Entwicklung geographisch veranschaulicht. Am Ende könnte das Projekt sogar zu Veränderungen in EU-Richtlinien führen.

Wassermassen sind nicht nur für küstennahe Baudenkmäler und Kulturlandschaften eine Bedrohung, sondern als Extremniederschläge und Überschwemmungen auch im Binnenland. Um für künftige Umweltkatastrophen besser gerüstet zu sein, haben die Wissenschaftler bisherige Umweltschäden an historischen Bauwerken untersucht. Ein denkmalgeschütztes Haus aus dem 18. Jahrhundert brach während der Flut 2002 in Prag zusammen, weil die unterspülte Holzdecke das völlig überladene Stockwerk nicht halten konnte. Die Lehre: Nicht nur auf die Verrottung des Holzes und den Zustand des Mörtels in alten Häusern ist zu achten, sondern auch darauf, sie nicht durch allzu viele Möbel zu belasten.

„In Europa gibt es verschiedene klimatische Faktoren, die sich unterschiedlich auswirken“, sagt Cristina Sabbioni vom Institute of Atmospheric Sciences and Climate in Bologna, das die Koordination des Projektes übernommen hat. Wichtige Faktoren sind auch Temperatur und Wind. Die Forscher hoffen, mögliche Schäden für einzelne Regionen besser definieren zu können, denn die Folgen des Klimawandels sind nicht überall die gleichen. Während die erwartete Zunahme der Niederschlagsintensität in großen Teilen Mittel- und Nordeuropas den Bauwerken zusetzen wird, könnte die verstärkte Trockenheit am Mittelmeer eine leichte Entlastung bedeuten. Dort jedoch könnten die Ausläufer nordafrikanischer Sandstürme an den Baudenkmälern schleifen. Auch Holzbauten werden im Norden stärker leiden, wenn durch mehr Regen und kürzeren Frost der Pilzbefall begünstigt wird.

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