Euphorie für Geothermie
Wärmetauscher verwandeln Erdwärme in Strom

Zwischen Flensburg und Passau entwickelt sich derzeit der weltweit wichtigste Markt für Geothermie – die umweltverträgliche Stromgewinnung aus Erdwärme.

HB DÜSSELDORF. Ein vergessen geglaubter Kraftwerks-Prozess sorgt dabei für den entscheidenden Schub: Der so genannte Kalina-Kreislauf steigert die Effizienz der Kraftwerke beträchtlich und drängt mit Macht zur Marktreife.

Nicht zufällig ziehen die Techniker gerade jetzt die Pläne für die alternative Energiegewinnung wieder aus der Schublade: Erst nachdem die Novelle des Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG) die Nutzung der Geothermie auf eine solide finanzielle Basis gestellt hat, ist in kurzer Zeit in Deutschland der weltweit erste nennenswerte Markt für die Kalina-Technik entstanden. Bis zu 15 Cent pro Kilowattstunde bringt die Einspeisung von Erdwärme-Strom seit diesem Sommer.

Grundsätzlich steht die Geothermie überall auf der Welt vor dem gleichen Problem: Die Erdbohrungen kosten viel Geld. Daher gilt es, die notwendige Arbeitstemperatur der Kraftmaschinen durch neue Technologien zu senken. Wenn schon geringere Bohrtiefen ausreichten, um in die erforderlichen Temperatur-Regionen im Erdinneren vorzustoßen, lassen sich die Erdwärmekraftwerke effizienter betreiben.

Genau das kann der Kalina-Prozess offenbar leisten. Im Unterschied zur Dampfturbine, die erst bei mehreren hundert Grad ausreichende Wirkungsgrade erzielt, lässt sich der Kalina-Kreislauf bereits ab Temperaturen von 90 Grad nutzen – also sogar unterhalb des Siedepunktes von Wasser.

Das funktioniert deshalb, weil die Hitze des aus der Erde aufsteigenden Wassers an ein Gemisch aus Ammoniak und Wasser abgegeben wird. Im Gegensatz zu reinen wie z.B. Wasser oder Pentan kann der Siedepunkt des Ammoniak-Wasser Gemischs je nach Wärme der Quelle eingestellt und so der jeweils höchste Wirkungsgrad erzielt werden. Der entstehende Dampf treibt eine Turbine an.

Weil die verbesserte Wärmeübertragung den Wirkungsgrad der Anlagen steigert, loben auch Wissenschaftler wie Felix Ziegler den Prozess. Für den Professor am Institut für Energietechnik an der Technischen Universität Berlin gehört „Kalina zweifellos zum künftigen Instrumentarium“. Attraktiv sei vor allem die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Rahmenbedingungen.

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