Europäische Einzelhändler hängen US-Konkurrenten ab
Walmart pfeift auf Funkchips

Beim Einsatz intelligenter Warenetiketten geraten amerikanische Einzelhändler gegenüber ihren europäischen Wettbewerbern zunehmend ins Hintertreffen. Der Grund: Keine andere Technologie hält die großen Handelsketten Europas mehr in Atem als Radio Frequency Identification (RFID).

DÜSSELDORF. Viele von ihnen wittern erhebliche Einsparungen in der Logistikkette. Denn mit entsprechenden Chips ausgerüstet lassen sich sämtliche Artikel lückenlos vom Hersteller bis zum Endkunden verfolgen – was Fehlbestände minimiert und randvolle Läger verhindert.

Seit Anfang Juli testet nun auch die Kölner Kaufhof Warenhaus AG die winzigen Etiketten, die auf ihnen gespeicherte Daten wie Artikelgröße oder -farbe berührungslos über Funk an das Warenwirtschaftssystem senden. Versuchsweise bis Herbst 2003 erhalten Kleidungsstücke von Gerry Weber solche Chips beim Osnabrücker Spediteur Meyer & Meyer. Die Warenbewegungen im Speditionslager und im Neusser Kaufhof-Zentrallager dokumentieren die RFID-Chips ebenso wie den Verkauf an den Kassen der Pilot-Häuser in Münster und Wesel.

„Kaufhof will mit RFID Sendungsverluste minimieren und Prozesse beschleunigen“, erläutert ein Sprecher von Siemens Business Services. Das Münchener Beratungsunternehmen leitet den Testlauf für den Kaufhof, steht nach eigenen Angaben aber auch beim Otto-Versand mit einem ähnlichen Projekt in den Startlöchern.

Hier zu Lande ist Metros Rheinberger „Future Store“-Verbrauchermarkt damit längst nicht mehr das einzige Testrevier der RFID-Technologie. Ab September will die britische Textilkette Marks & Spencer den Einsatz der intelligenten Etiketten in einer ihrer Filialen prüfen. Dort könnten demnächst jährlich bis zu 350 Mill. Artikel mit einem solchen Chip versehen werden. Ähnlich wie bei Benetton steht eine endgültige Entscheidung aber noch aus.

Keine Etiketten mehr in den Verkaufsräumen

Während dessen stocken die RFID-Bemühungen in den USA. Walmart hat seinen mit Gillette vereinbarten Test am Mittwoch überraschend abgebrochen. Die Etiketten sollen dort nur noch im Lager Einsatz finden, nicht aber in den Verkaufsräumen. Der US-Handelsriese dementierte Gerüchte, man habe sich Verbraucherschützern gebeugt, die den persönlichen Datenschutz gefährdet sehen. Die Textilkette Gap, die ihren RFID-Test Ende 2001 erfolgreich abschloss, fahndet seitdem vergeblich nach Mitstreitern. Die Kosten für die Chips würden niemals sinken, wenn alle nur darüber reden, ohne etwas zu unternehmen, klagte Projektleiter Neco Can vor wenigen Monaten vor Händlern in Chicago.

Die Europäer holen auch von Ausrüsterseite her auf. Anfang Juli überraschte die französische Tagsys mit einem RFID-Chip, der nicht größer ist als eine Kontaktlinse. Der Transponder könnte demnächst Einsatz bei pharmazeutischen oder kosmetischen Produkten finden. Philips hat außerdem seine Führungsposition bei der Entwicklung der kontaktlosen Erfassungstechnologie weiter ausgebaut. In Zürich präsentierten die Niederländer jetzt ein Empfangsgerät, das 150 Etiketten pro Sekunde liest. Und auch bei den Chips selbst hängt Philips Wettbewerber wie Texas Instruments, Alien Technology, Gemplus oder Hitachi zunehmend ab. Nahezu sämtliche Handelskonzerne orderten zuletzt in Eindhoven. Selbst Siemens griff beim Kaufhof-Probelauf lieber zu den Philips-Transpondern, als sich beim Familienmitglied Infineon zu bedienen.

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