Forschung + Innovation
Europäische Mondsonde Smart-1 erreicht Umlaufbahn

Die erste europäische Mondsonde hat ihr Reiseziel erreicht. 13 Monate nach dem Start ist „Smart-1“ in der Nacht zum Dienstag planmäßig in eine Umlaufbahn um den Mond eingeschwenkt.

dpa PARIS/DARMSTADT. Die erste europäische Mondsonde hat ihr Reiseziel erreicht. 13 Monate nach dem Start ist „Smart-1“ in der Nacht zum Dienstag planmäßig in eine Umlaufbahn um den Mond eingeschwenkt.

Nach Angaben der europäischen Weltraumorganisation (Esa) in Paris ist die Sonde jetzt rund 5 000 bis 6 000 Kilometer vom Erdtrabanten entfernt. In den kommenden Monaten soll sie mit ihren sieben wissenschaftlichen Instrumenten die Mondoberfläche vermessen und deren chemische Zusammensetzung analysieren.

Die Sonde war am 27. September 2003 vom Raumfahrtbahnhof Kourou in Französisch-Guyana mit einer Ariane-5-Rakete gestartet. Ihre endgültige Umlaufbahn erreicht sie Mitte Januar. Die Reise sei drei Monate kürzer gewesen als geplant, sagte Projektleiter Bernard Foing im Raumfahrtkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt. Der erstmals eingesetzte solarelektrische Ionenantrieb habe mehr Schubkraft entwickelt als erwartet. Dank der Treibstoffreserven könne die Sonde nun auch näher an den Mond herangebracht werden: Der entfernteste Punkt der ovalen Umlaufbahn sei von 10 000 auf 3 000 Kilometer abgesenkt worden. Der kürzeste Abstand liege bei 300 Kilometer.

Der Test des neuartigen Antriebs ist ein Hauptziel der Expedition. Der Ionen-Motor beschleunige langsam aber stetig und speise sich weitgehend aus Sonnenenergie, erläuterte Foing. Auf diese Weise könnten ferne Planeten direkt angesteuert werden. Mit herkömmlichen Antriebssystemen sei dies nicht möglich, da der dafür notwendige Kraftstoff viel zu schwer sei. Bislang müssen Satelliten deshalb weite Umwege in Kauf nehmen, um sich für ihre Reisen Schwung durch die Anziehungskraft der Planeten zu holen.

Die Renaissance der Mondflüge rund 35 Jahre nachdem der erste Mensch den Erdtrabanten betreten hat, erklärte Foing mit wissenschaftlichem Interesse: „Damals stand der Wettlauf der Großmächte im Vordergrund, die Eroberung, heute geht es um Forschung.“ In den kommenden Jahren schickten Japaner, Chinesen, Inder und Amerikaner weitere Mondsonden auf den Weg. Nach 2010 sei der Aufbau eines Weltraumbahnhofs möglich, von dem aus bemannte Missionen zum Mars gestartet werden könnten.

Die immer wieder geäußerten Zweifel an der US-Mondlandung könne „Smart-1“ nicht ausräumen, sagte Foing. „Dazu haben wir nicht die richtige Kamera dabei.“ Dass die Europäer irgendwann zum Mond fliegen, wollte der wissenschaftliche Direktor der Esa, David Southwood, nicht ausschließen. „Das ist eine politische Frage“, sagte er. „Wenn die Entscheidung positiv ausfällt, wird die Esa alles dafür tun, um das Projekt zu verwirklichen.“

Nach der vorliegenden Planung wird „Smart-1“ bis Juli arbeiten. Dann soll die 350 Kilogramm leichte Sonde auf der Mondoberfläche zerschellen. Die Kraftstoffreserven reichten allerdings für weitere zwei Jahre aus, sagte Foing. Für die Betreuung müssten dann allerdings fünf Mill. Euro jährlich genehmigt werden. Die Nachfolgeexpedition „Smart-2“ zur Erforschung neuer Technik soll 2007 auf die Reise gehen.

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