Europäische Raummission
„Venus Express“ ist startklar

Am Mittwoch ist nun nach mehrfachen Verzögerungen der Start der europäischen Raummission „Venus Express“ geplant. Die Sonde soll im Frühjahr 2006 bei unserem Nachbarplaneten ankommen und den Venus-Schleier lüften.

HB BERLIN/BAIKONUR. „Venus Express“ soll am Mittwoch um 4.33 Uhr (MEZ) vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus auf den Weg zu dem heißen Nachbarplaneten der Erde gebracht werden. Der erste Flug der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) zur Venus wird vor allem auch dazu dienen, die Atmosphäre des Planeten genauestens zu untersuchen. Die Forscher erhoffen sich davon auch Rückschlüsse auf die langfristige Klimaentwicklung auf der Erde. Der ursprünglich vor zwei Wochen geplante Start war wegen einer Verunreinigung der Sojus/Fregat-Trägerrakete verschoben worden.

Der 1,27 Tonnen schwere „Venus Express“ ist mit sieben Instrumenten bestückt und in der Konstruktion dem erfolgreichen europäischen „Mars Express“ durchaus ähnlich. Das ehrgeizige Vorhaben der Esa kostet alles in allem 220 Mill. €. Die Kosten sind vergleichweise gering, weil sechs Instrumente baugleich sind mit der Technologie, die auf „Mars Express“ und der Kometensonde „Rosetta“ installiert wurde. Nur ein Instrument des „Venus Express“ ist neu.

Die Planetensonde soll im April 2006 bei dem Nachbarplaneten ankommen. Rund 500 Tage lang wird „Venus Express“ den heißesten Planeten des Sonnensystems auf seine Struktur, Zusammensetzung und Dynamik hin erforschen. „Venus Express“ geht dafür in eine Umlaufbahn über die Pole des sonnennäheren Planeten und umrundet die „Zwillingsschwester der Erde“ dabei in einer Höhe zwischen 250 und 66 000 Kilometern.

Von der Erkundungstour der europäischen Sonde Venus-Express erhoffen sich Wissenschaftler weitgehende Erkenntnisse über den bisher nur wenig erforschten Nachbarplaneten der Erde. Die Venus liegt zwar näher an der Erde als jeder andere Planet und ist dank ihrer größeren Nähe zur Sonne oft auch sehr gut zu sehen. Dichte Wolken verhindern jedoch den direkten Blick auf ihre Oberfläche. Bisher waren alle Versuche, die Schleier zu lüften, wegen der unwirtlichen Bedingungen auf dem Stern nur wenig erfolgreich: Der Atmosphärendruck ist neunzig Mal so hoch wie auf der Erde, die Durchschnittstemperatur liegt bei etwa 450 Grad Celsius. Keine Raumkapsel, die jemals in diese Hölle hinab gestiegen ist, hat es lange darin ausgehalten. Den Rekord hält ein russisches Gerät, das 110 Minuten in der Hitze überlebte.

Der Venus-Express soll deshalb nach seiner gut fünfmonatigen Reise im April kommenden Jahres auch nicht in die glutheiße Gashülle eindringen, sondern in sicherer Entfernung auf eine elliptische Bahn einschwenken, die über die Venuspole führt. Wenn alles klappt, wird sie aus ihrer zwischen 250 und 66 000 Kilometern hohen Umlaufbahn die turbulente Atmosphäre vermessen und analysieren - für eine planmäßige Lebensdauer von etwa 500 Tagen. Dies entspricht wegen der sehr langsamen Eigenrotation des Planeten ganzen zwei Venustagen. Warum das so ist, ist den Astronomen ein Rätsel, das die von russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan startende Sonde möglicherweise aufzuklären hilft.

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