Europäischer Erfinderpreis 2013
Die Bibliothek für die Jackentasche

Dank E-Readern passt heute eine Bibliothek bequem in jede Jackentasche. Die Grundlagen für den E-Book-Boom legte Joseph Jacobson – auch wenn seine Vorstellung von elektronischem Papier ursprünglich ganz anders aussah.

DüsseldorfAls Johannes Gutenberg vor 550 Jahren die Buchpresse erfand, hätte er die Arbeit von Joseph Jacobson wohl für Schwarze Magie gehalten. Papier, dass sich selbst druckt und die Informationen dafür quasi aus der Luft einfängt – zu Gutenbergs Zeiten landete man schon für weniger Sensationelles auf dem Scheiterhaufen.

Heute ermöglicht uns elektronisches Papier, auf Reisen nicht nur ein Buch im Gepäck zu haben, sondern gleich eine ganze Bibliothek. Weil es so wenig Energie verbraucht, kann man mit einer Batterieladung sogar einen guten Teil der digitalen Bücher im Speicherchip damit lesen. Sie löst das alte Geschäftsmodell der Verlage auf. Und sie schont die Wälder.

Bereits seit den 1970er Jahren spukte die Idee vom elektronischen Papier durch die Welt. Aber lange Zeit sah es nicht so aus, als würde daraus mehr werden als Prototypen und Verheißungen für Risikokapitalgeber. Das änderte sich zunächst auch nicht, als sich Joseph Jacobson 1993 der Sache annahm.

Nachdem er gerade an der kalifornischen Stanford Universität in Quantenphysik promoviert hatte, suchte er nach einer neuen Herausforderung und das elektronische Buch schien ihm als Projekt „schwierig genug, um interessant zu sein“, wie er im Jahr 2002 der Zeitschrift Wired anvertraute. Und schwierig genug, um ihn über ein Jahrzehnt lang zu beschäftigen. Das erste Produkt, ein Lesegerät mit elektronischem Papier anstelle eines konventionellen Displays kam erst 2006 auf den Markt.

Jacobsons erste Idee sah vor, Farbstoffpartikel in haarfeinen Kanälen herum zu pumpen, um ein Schriftbild zu erzeugen. Doch angesichts der zu komplexen Steuerung besann er sich auf ältere Experimente aus den Laboren des Kopiererherstellers Xerox. Dort hatte man erfolglos mit schwarz und weiß gefärbten magnetischen Partikeln gearbeitet. Jacobson griff die Idee wieder auf und wandelte sie ab. Mikroskopische, mit dunkler Flüssigkeit und weißen Pigmenten gefüllte Kapseln, sollten in seiner Vorstellung die traditionelle Druckfarbe ersetzen.

Durch Anlegen einer kleinen elektrischen Spannung können diese Kugelpixel von der Größe eines Staubkorns zwischen dunkel und hell hin und her geschaltet werden. Elektrophorese wird dieser Vorgang genannt, bei dem sich geladenen Partikel angetrieben durch eine elektrische Spannung durch einen Flüssigkeit bewegen. Biologische Labors benutzen diesen Trick auch, um Moleküle voneinander zu trennen.

Nach der Entscheidung für  die schaltbaren Mikrokapseln stellte sich so aber gleich das zweite Problem: Wie kontrolliert man jedes einzelne Kugelpixel ohne einen riesigen Verhau aus Elektroden und Drähten? Was Jacobsen brauchte war ein durchsichtiges, leitfähiges Material.

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