Europäischer Erfinderpreis 2013
Ein Linse aus Öl und Wasser

Als Erfinder ist Bruno Berge ebenso erfolgreich wie als Unternehmer. Seine Linsen-Technik findet sich heute in Smartphones und Tablets ebenso wie in Scannern von Supermarktkassen oder Geräten zur biometrischen Erfassung.
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BerlinWas für Meisterkoch Paul Bocuse ein Ärgernis, ist für Bruno Berge eine optische Wunderkammer: zwei Flüssigkeiten, die sich auf natürlichem Wege nicht vermischen. Während der Koch keine Mühen scheut, beide  – in seinem Fall Essig und Öl – zu einer köstlichen Vinaigrette zu vereinen, nutzt der Physiker geschickt aus, dass Flüssigkeiten nahezu reibungslos aufeinander gleiten können. Und so macht Berge aus einem Tröpfchen Öl und einem Tröpfchen Wasser das Objektiv einer Kamera.

Wo bei einem herkömmlichen Kameraobjektiv eine oder mehrere Linsen mechanisch verschoben werden müssen, um Objekte scharf zu stellen, kommt man bei der flüssigen Linse ohne bewegliche Teile aus. Der Vorteil: Das Fokussieren geht viel schneller, verbraucht wesentlich weniger Energie und Platz, und das System – eingesperrt zwischen Glas- oder Kunststoffscheiben – ist robuster gegen Erschütterungen. Ideal also für den Einsatz in mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets.

Um seine Linsen à la Berge vom Labortisch auf den Markt zu bringen, gründete der französische Physiker 2002 das Unternehmen Varioptic mit Sitz in Lyon. Mittlerweile sind seine Produkte in Scannern von Supermarktkassen ebenso verbaut wie in industriellen Band-Fertigungsanlagen oder in Sicherheitstechnik wie biometrischen Scannern von Augen oder Fingerabdrücken.

Eine halbe Millionen Einheiten wurden in den vergangenen beiden Jahren jeweils verkauft. Berge hält 45 Patente, um seine Technologie zu schützen, die chemische Formel der Flüssigkeiten ist streng geheim. Der Erfolg seiner Technologie hat ihm jetzt eine Nominierung für den Europäischen Erfinderpreis 2013 eingetragen.

Interessante optische Eigenschaften

Seit vielen hundert Jahren werden optische Linsen hauptsächlich aus Glas gefertigt, in jüngster Zeit auch aus Kunststoffen. Ihre Oberfläche muss – je nach Qualitätsanspruch – durch aufwändige, weil sehr präzise Schleif- und Polierprozesse in die rechte Form gebracht werden.

Dass auch Flüssigkeiten aufgrund der Lichtbrechung an ihrer Oberfläche interessante optische Eigenschaften haben, lernt schon jedes Kind. Sie sind zum Beispiel für die Entstehung des Regenbogens verantwortlich und können als Tautropfen, der wie ein Vergrößerungsglas wirkt, Sonnenstrahlen so stark bündeln, dass diese trockenes Gras entzünden. 

Auf Flüssigkeiten und ihren Grenzflächen gründete sich auch Bruno Berges wissenschaftliche Karriere. Nach einem Post-doc Aufenthalt in Chicago kehrte er 1991 an seinen Studienort Grenoble zurück, um am Centre National de Recherche Scientific (CNRS) zu forschen. Dabei ergänzten sich seine wissenschaftlichen Interessen und seine private Leidenschaft fürs Fotografieren hervorragend. „Schon in meiner Jugend liebte ich insbesondere kaputte Kameras, die ich auseinandernahm und mit denen ich einfach zum Vergnügen Experimente machte“, erzählt Berge.

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