Europäischer Erfinderpreis: Ein Drucker für die ganze Welt

Europäischer Erfinderpreis
Ein Drucker für die ganze Welt

Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis 3D-Drucker Einzug in den Privathaushalt finden. Am Anfang der rasanten Entwicklung stand die geniale Idee von Chuck Hull. Mit einem Telefonanruf zu später Stunde fing alles an..
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BerlinWie wäre es mit einer kleinen Büste Ihrer Frau in 3D? Aus buntem Plastik oder als Briefbeschwerer aus glänzendem Metall? Oder Ihr Gatte zum Vernaschen, ganz aus Schokolade? Endlich ein Ersatz für den zerbrochenen Temperaturregler am Herd, den es längst nicht mehr nachzukaufen gibt?

Dank der Arbeit des US-Amerikaners Charles W. Hull, genannt Chuck, sind solche Wünsche heute problemlos zu erfüllen. Mitte der 1980er Jahre legte er den Grundstein für eine revolutionäre neue Fertigungstechnologie: den 3D-Drucker. Inzwischen hält Hull mehr als 30 Patente zu dieser Technologie, die ihm nun auch eine Nominierung für den Europäischen Erfinderpreis eingebracht hat.

Als Chuck Hull eines Abends im Jahr 1983 seine Frau anrief, war es schon spät. Sie trug bereits Pyjama, als ihr Mann sie bat, doch im Labor der Firma vorbeizukommen. Wie so oft im letzten Jahr hatte er an seiner neuen Maschine getüftelt. Und nun hatte sie ihr erstes Stück gedruckt: ein dunkelbraunes Plastikschälchen mit allerlei Riffeln und Aussparungen. Nicht gerade sexy, aber praktisch. Und darum ging es Hull zuallererst.  

Mit seiner Erfindung hatte er die schnelle Fertigung von kleinen Teilen aus Kunststoff im Sinn, wie sie in diversen Industriezweigen als Prototypen für die unterschiedlichsten Bauteile gebraucht werden. Deren Herstellung konnte mehrere Tage dauern und war damit eine echte Bremse im Entwicklungsprozess. Für das Schälchen brauchte Hull nur 45 Minuten. Als er es stolz seiner Frau präsentierte, ahnte er dennoch nicht, welchen Siegeszug seine neue Druck-Maschine einmal antreten sollte, und dass ähnliche Geräte rund 30 Jahre später beinahe reif sind für jeden Privathaushalt.

In den 70er Jahren hatte Hull als Physikingenieur mit optischen Verfahren gearbeitet. Sein Arbeitgeber, die Ultraviolet Products (UVP) in Kalifornien, nutzte ultraviolettes (UV-) Licht, um dünne, photosensitive Kunststoffschichten auszuhärten, die zum Beispiel Tischplatten schützen. Das brachte Hull, der als Technischer Direktor angestellt war, auf eine Idee: Wieso nicht ganze Dinge aus solchen dünnen Schichten fertigen?

Zwar konnte er seinen Chef nicht davon überzeugen, daraus ein offizielles Projekt zu machen. Doch immerhin erlaubte der ihm, in seiner Freizeit ein kleines Labor der Firma zu nutzen.

Und so tüftelte Hull aus, welche Materialien er nutzen könnte, wie mit den Polymeren am besten umzugehen sei, wie man eine ganze Maschine konstruiert. Er schrieb ein Computerprogramm zur Steuerung des Lasers, der das Licht überall dorthin strahlt, wo der Kunststoff aushärten und also eine neue Schicht festen Materials bilden soll.

Kommentare zu " Europäischer Erfinderpreis: Ein Drucker für die ganze Welt"

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  • Das sind immer noch Fertigungs-bzw. Produktionsmaschinen und keine 3D-Drucker.
    Und diese Fertigungsmaschinen haben sich schon lange in der Industrie durchgesetzt.
    Und was solche 3D-Fertigungsmaschinen in einen gewöhnlichen Haushalt zu suchen haben, das erschließt sich mir nicht wirklich.
    30 Jahre hatte dieser Tüftler nun Zeit gehabt sein Produkt (3D-Fertigungsmaschinen Drucker) auf dem Markt zu vermarkten....30 Jahre ging nix! Und jetzt auf einmal soll etwas gehen?!
    Mein Fazit....30 Jahre sind eine lange Zeit um sich am Markt zu beweisen und 30 Jahre konnte sich dieser 3D-Drucker nicht etablieren....somit ist dieses Konstrukt reif für den wirtschaftlichen und technischen Mülleimer. Noch dazu, weil es ja bereits haufenweise solcher 3D-Fertigungsmaschinen auf den Markt gibt. Heißen eben nicht Drucker, sondern wie zu recht FERTIGUNG-PRODUKTION MASCHINEN.

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