Europäischer Weltraumtourismus
Drei Minuten in der Schwerelosigkeit

Die Europäer entwickeln einen Weltraumflieger, der zahlungskräftige Touristen zu einem Ausflug ins All bringt. EADS hat sich damit viel vorgenommen: Die Technik ist vollkommen neu und amerikanische Konkurrenzfirmen forschen bereits an eigenen Raumschiffen.

PARIS. In wenigen Jahren wird für die ersten Weltraumtouristen ein Lebenstraum in Erfüllung gehen. Sie starten mit einem der neuen Weltraumjets ins All, schweben drei Minuten lang in der Schwerelosigkeit in mehr als 100 Kilometern Höhe. Durch kleine Fenster sehen sie, was sonst nur Astronauten vorbehalten ist: die runde Erde vor einem tief blauschwarzen Himmel. Nach 90 Minuten geht der Ausflug in den Weltraum zu Ende, der Pilot bringt das Raketenflugzeug auf den Flughafen zurück.

Zum ersten Mal will nun auch Europa ein Raumfahrzeug für Weltraum-Touristen bauen. Das gab der europäische Raumfahrtkonzern EADS Astrium vergangene Woche in Paris bekannt. Anfang 2008 will die EADS-Tochter die technischen Studien beendet haben und das ehrgeizige Projekt mit industriellen und finanziellen Partnern angehen. Das revolutionäre Raketenflugzeug, das so groß ist wie ein kleiner Business Jet, könnte schon 2012 in den Weltraum starten. Etwa eine Milliarde Euro dürfte die Entwicklung des einstufigen Raketenflugzeuges kosten, für das der bekannte Industriedesigner Mark Newson ein attraktives Kabinenmodell entworfen hat – schick und bequem also auch in der Schwerelosigkeit. Finanziert wird das Projekt überwiegend mit Mitteln der Privatwirtschaft, die ein lukratives Zukunftsgeschäft vor Augen hat.

Das Raketenflugzeug, dass auf einem x-beliebigen Flughafen starten und auch landen kann, steigt mit normalen Triebwerken auf zwölf Kilometer Höhe. Dort werden dann Raketentriebwerke gezündet, die das Gefährt auf eine Gipfelhöhe von etwa 100 Kilometer katapultieren. Erdumkreisungen auf einer Umlaufbahn sind mit dem neuen Fluggerät allerdings noch nicht möglich.

Das Flugzeug, das auf dem Weg zum All zur Rakete wird, soll in Ottobrunn bei München, in Bremen und in Südfrankreich gebaut werden. Erste Windkanalversuche seien sehr erfolgreich gewesen, berichtet das Astrium-Team.

Europa hat sich mit dem neuen Raumflieger viel vorgenommen. Das betrifft einmal die Technik. Denn ein einstufiges Luft- und Raumfahrzeug dieser Art gibt es bisher weltweit noch nicht. Zum anderen aber trifft der neue Astrium-Weltraumflieger auf harte Konkurrenz, die bereits einen mindestens dreijährigen Vorsprung hat.

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