Europas Raumtransporter ATV
Modernste Raumfähre mit Schönheitsfehler

Es wurmt Europäer wie Amerikaner gleichermaßen: Ab jetzt geht es nur noch mit den Russen ins All. Dabei kommt die modernste Raumfähre zur Zeit aus Europa. Allerdings hat sie einen Schönheitsfehler.
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MünchenDie derzeit modernste Raumfähre kommt aus Europa. ATV ("Automated Transfer Vehicle") heißt die Kapsel, die an der Spitze der Ariane-5-Rakete 7,6 Tonnen Nutzlast zur internationalen Raumstation ISS wuchten kann. Automatisch steuert das Raumschiff nach dem Start die Station an, Zentimeterarbeit bei 28.000 Kilometern pro Stunde. Zwei Missionen hat die ATV hinter sich, drei weitere sind geplant.

Bislang nur Frachttransport

Doch der Supertransporter hat einen Schönheitsfehler: Er kann bislang nur Fracht transportieren. Das lässt sich aus Sicht des Herstellers EADS Astrium aber ändern. Auch die europäische Weltraumagentur Esa hat ein hohes Interesse an einer Weiterentwicklung und verhandelt darüber mit der Nasa. Im Auftrag der Esa in Paris hat EADS Astrium eine Studie ausgearbeitet, wie die Kapsel zu einem Raumschiff umgebaut werden könnte. "Wir prüfen derzeit die Rückführbarkeit des ATV", erklärt ein Sprecher dem Handelsblatt. Die Studie soll in ein paar Wochen vorliegen.

Die sogenannte Rückführbarkeit ist der Schlüssel für den bemannten Raumflug. Denn bislang verglüht das europäische Automated Transfer Vehicle nach dem Abkoppeln von der ISS beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Für einen Astronautenflug müssten ein Hitzeschild, Landesysteme und Fallschirme eingebaut werden, um eine sichere Rückkehr zur Erde zu ermöglichen. Hinzu kommen lebenserhaltende Systeme wie beispielsweise die Sauerstoffversorgung der Astronauten. Am Ende könnte ein Raumschiff für zwei Astronauten entwickelt werden - klein, kompakt, zuverlässig.

Das ist ein sehr teures Unterfangen. Die Entwicklung und der Bau von fünf ATVs, die bis 2014 die ISS versorgen sollen, kostete die Europäer bislang eine Milliarde Euro. Die Weiterentwicklung zu einem Raumschiff würde aber zusätzliche Milliarden verschlingen.

Finanzielles Abenteuer

Die klammen europäischen Staatshaushalte können ein solches Projekt alleine nicht finanzieren. Bemannte Raumfahrt ist ein finanzielles Abenteuer: Bereits Anfang der Neunziger motteten Deutschland und Frankreich die Pläne für den europäischen Raumgleiter "Hermes" aus Kostengründen ein. Doch auch Amerika kann sich die Entwicklung seiner geplanten "Orion"-Kapsel kaum noch leisten.

Jetzt verhandeln beide Seiten: Die Europäer entwickeln ihre erfolgreiche Antriebs- und Navigationstechnik des ATV, die Amerikaner die lebenserhaltenden Systeme für die Astronauten. "Die Nasa ist heute viel offener als vor einigen Jahren", sagt ein hohes Esa-Mitglied und verweist auf die leeren Kassen in den USA.

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