Evolution des Menschen Homo sapiens viel älter als vermutet

In Marokko haben Forscher die ältesten Fossilien aus der Frühzeit des Menschen entdeckt. Die Funde zeigen, wie modern der Homo sapiens schon vor 300.000 Jahren war – und dass er bereits einen ganzen Kontinent besiedelte.
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Die Computeranimation zeigt die Rekonstruktion eines Schädels des frühesten bekannten Homo sapiens. Vor 300.000 Jahren hatte unser Vorfahr bereits einen modernen Gesichtsschädel, der Gehirnschädel (blau) mutet dagegen noch archaisch an. (Bild: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig) Quelle: dpa
Früher Homo sapiens

Die Computeranimation zeigt die Rekonstruktion eines Schädels des frühesten bekannten Homo sapiens. Vor 300.000 Jahren hatte unser Vorfahr bereits einen modernen Gesichtsschädel, der Gehirnschädel (blau) mutet dagegen noch archaisch an. (Bild: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig)

(Foto: dpa)

BerlinDie Anfänge des modernen Menschen reichen viel weiter zurück als bislang bekannt. Während die frühesten Funde von Homo sapiens bislang auf ein Alter von 200.000 Jahren datiert wurden, beschreibt ein internationales Forscherteam unter deutscher Leitung nun Fossilien aus Marokko, die 100.000 Jahre älter sind.

Die 300.000 Jahre alten Knochenfragmente eröffnen einen ganz neuen Einblick in die Entstehung und Entwicklung des Homo sapiens, berichten die Wissenschaftler um Jean-Jacques Hublin vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im Wissenschaftsmagazin Nature. Lange bevor der moderne Mensch Afrika vor etwa 100.000 Jahren verließ, habe er offenbar bereits den ganzen Kontinent besiedelt.

Die frühesten Spuren des modernen Menschen
Fundstelle Jebel Irhoud (Marokko)
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Hier entdeckte ein Forscherteam fossile Knochen des Homo sapiens sowie Tierknochen und Steinwerkzeuge. Die Funde sind rund 300.000 Jahre alt, und damit die ältesten sicher datierten fossilen Belege unserer eigenen Art. (Bild: Shannon McPherron,/MPI EVA Leipzig)

Früher Homo sapiens
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Die Computeranimation zeigt die Rekonstruktion eines Schädels des frühesten bekannten Homo sapiens. Vor 300.000 Jahren hatte unser Vorfahr bereits einen modernen Gesichtsschädel, der Gehirnschädel (blau) mutet dagegen noch archaisch an. (Bild: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig)

An der Ausgrabungsstätte
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MPI-Forscher Jean-Jacques Hublin deutet auf einen fossilen Menschenschädel an der Fundstelle in Jebel Irhoud (Marokko). Hier stieß sein Team auf die ältesten Fossilien von Homo sapiens. (Bild: Shannon McPherron,/MPI EVA Leipzig)

Steinwerkzeuge des frühen Homo sapiens
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Die Steine waren von ihren urzeitlichen Bearbeitern erhitzt worden. Das ermöglicht Forschern heute eine genau Datierung der Funde. (Bild: Mohammed Kamal/MPI EVA Leipzig)

Unterkiefer vom Fundplatz Jebel Irhoud
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Die gefundenen Schädelfragmente wurden von den Forscher besonders gründlich unter die Lupe genommen. (Bild: Jean-Jacques Hublin, MPI-EVA, Leipzig)

Fundplatz Jebel Irhoud
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Die Ausgrabungsstätte bei Jebel Irhoud: Die Fossilien wurden in den Sedimenten vor der Stelle gefunden, an der die beiden Archäologen links arbeiten. (Bild: Shannon McPherron, MPI EVA, Leipzig)

„Wir dachten lange Zeit, dass die Wiege der Menschheit vor etwa 200.000 Jahren irgendwo in Ostafrika lag“, so Hublin. „Unsere Daten zeigen aber, dass sich Homo sapiens bereits vor etwa 300.000 Jahren über den gesamten Kontinent ausgebreitet hat.“

Sowohl genetische Daten heute lebender Menschen als auch Fossilien weisen auf einen afrikanischen Ursprung unserer Art hin. Die ältesten bisher bekannten Homo sapiens-Fossilien stammen aus Äthiopien: Die Fundstelle Omo Kibish ist 195.000 Jahre alt, der Fundplatz Herto wird auf 160.000 Jahre datiert. Die meisten Forscher gingen deshalb davon aus, dass alle heute lebenden Menschen von einer Population abstammen, die vor etwa 200.000 Jahren in Ostafrika lebte.

Die Forscher um Hublin untersuchten nun Fossilien aus Jebel Irhoud, einem Fundplatz etwa 100 Kilometer nordwestlich von Marrakesch, der bereits seit den 1960er Jahren für menschliche Fossilien und Steinwerkzeuge bekannt ist. Die Interpretation dieser Funde wurde bislang allerdings durch eine unsichere Datierung erschwert.

Hublins Team untersuchte insgesamt 22 versteinerte Überreste von Knochen, Schädeln, Kiefern und Zähnen, die von mindestens fünf Menschen stammen. Besonders gründlich wurden dabei die Schädelfragmente unter die Lupe genommen, unter anderem mit moderner Computertomografie (micro-CT).

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