Evolutionstheorie
Auf Überleben programmiert

Verstand und freier Willen unterscheiden den Menschen vom Tier - so lernen wir es schon in der Schule. Nimmt man aber die Ergebnisse der modernen Gehirnforschung ernst, bleibt von dieser These nicht viel übrig. Über die Unfähigkeit des Menschen, rationale Entscheidungen zu treffen.

DÜSSELDORF. „Sei doch vernünftig!“ Diese Aufforderung hat wohl schon jeder und jede einmal von wohlmeinenden Mitmenschen zu hören bekommen. Vernünftig, rational zu entscheiden und zu handeln, so meint man gemeinhin, dient ja nur zu unserem Besten. Seit Aristoteles gilt der Mensch als das mit Vernunft begabte Lebewesen; und wer die Vernunft nicht gebraucht, ist selber schuld. Schon in der Schule haben die meisten von uns gelernt, dass sich der Mensch von den Tieren durch Verstand und freien Willen unterscheidet.

Zwar lässt ein kritischer Blick auf Geschichte und Gegenwart am Verstand unserer Gattung manche Zweifel aufkommen, aber andererseits scheint es klar, dass wir zumindest prinzipiell rational agieren und uns frei, nur von der Vernunft geleitet, für oder gegen etwas entscheiden können. In der Ökonomie hat die Vorstellung von rationaler Wahlmöglichkeit (rational choice) eine lange und starke Tradition. Nimmt man aber die Ergebnisse der modernen Evolutionsbiologie und Gehirnforschung ernst, bleibt davon nicht viel übrig. Das Gehirn gibt den Ton an, meint der Neurobiologe Wolf Singer, wir führen nur aus, was es uns sagt: Jeder Mensch ist, wie er ist, und kann nicht anders sein.

Solche und ähnliche Aussagen werden von vielen als Provokation empfunden und schüren – wie die aktuelle Diskussion über Willens(un)freiheit erkennen lässt – Emotionen. Sind aber nicht gerade Emotionen ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir eben nicht rational und frei entscheiden beziehungsweise handeln können?

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