Expansion im All
Der lange Weg zum Mars

Theoretisch ist es bereits jetzt möglich, ein bemanntes Raumschiff zum Mars zu schicken. Doch die technische Möglichkeit allein genügt nicht, um den Erfolg der Mission zu gewährleisten. Daher gibt es mehrere Experimente und Ideen, den harten Weg zum roten Planeten zu vereinfachen.

DÜSSELDORF. In einem Vorort von Moskau liegt der Weltraum. Er findet Platz in fünf Metallcontainern, verbunden durch enge Luftschleusen. Die Blechkisten beherbergen unter anderem Forschungs- und Medizin-Modul, Küche und Wohnzimmer und bilden so exakt wie möglich die Begebenheiten an Bord eines künftigen Raumfahrzeugs ab. In diesem 200 Quadratmeter großen Areal wird ab Frühjahr 2008 eine internationale Gruppe aus sechs Wissenschaftlern 520 Tage verbringen. In einer der Kisten wird zur Halbzeit die Landung simuliert – auf dem Mars.

Das Institut für Biomedizinische Probleme der russischen Akademie der Wissenschaften leitet das Projekt „Mars 500“, an dem auch die Europäische Raumfahrtorganisation Esa beteiligt ist. Ähnlichkeiten zum „Big Brother“-Container kann auch Marc Heppener von der Esa nicht ganz verleugnen, aber das Experiment sei „die einzige Art, wie wir uns richtig für eine Langzeit-Raumflugmission vorbereiten können“. Sollte tatsächlich einmal ein bemanntes Raumschiff zum Mars fliegen, dann sind die Insassen wahrscheinlich ein viel wichtigerer Unsicherheitsfaktor als das Raumschiff selbst. Unbemannte Sonden erreichten ihn schon mehrfach. Aber wie werden die Besatzungsmitglieder die Weltraumreise physisch und psychisch erleben? Wie wird sich die bis zu 40-minütige Verzögerung der Radiosignale von der Erde auswirken? Wie wird sich das Schlafverhalten auf der Reise verändern, wie werden die Besatzungsmitglieder die Isolierung von der Erde verkraften?

Seit US-Präsident George Bush 2004 die bemannte Landung auf dem Mars offiziell zum nächsten großen Ziel der Nasa erklärte, wollen auch die anderen Raumfahrtnationen nicht unbeteiligt bleiben. In Moskau sprach man vor einigen Tagen davon, mit einem eigenen Raumschiff schon 2017 Kosmonauten zum Mars zu bringen, viele Jahre vor den Amerikanern. Wenn schon nicht mit eigenen Astronauten, so wollen die Europäer zumindest mit einem Beitrag zur Vorbereitung der Mission glänzen. Die Esa kann ihre erfolgreiche Sonde Mars-Express vorweisen, die seit über drei Jahren den Planeten kartographiert. Doch Forscher-Ruhm liegt womöglich viel näher: Ausgangsbasis für den ab 2025 angepeilten Mars-Flug der Amerikaner soll nämlich der Mond sein. Im Dezember 2006 hat die Nasa bekannt gegeben, dass ab 2014 wieder bemannte Missionen zum Mond führen sollen. Ab 2020 sollen vier Astronauten 180 Tage lang dort verweilen, ab 2024 soll eine permanent bemannte Mondbasis etabliert sein – als Ausgangsbahnhof für die Reise zum Mars.

Damit rückt der Erd-Umkreiser 35 Jahre nach dem letzten Besuch eines Menschen wieder ins Zentrum des Interesses. In einem überraschenden Alleingang hat ihn sich kürzlich auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum Forschungsobjekt bestimmt. „Wir wollen zum Mond, und wir kommen zum Mond“, sagt Walter Döllinger, Direktor für Raumfahrtprogramme des DLR. Aber die Schwarzrotgold-Flagge wird sobald nicht neben dem Sternenbanner von 1969 wehen. Nur eine unbemannte Sonde soll den Mond vier Jahre lang umkreisen und vermessen. „Ich bin froh, dass es einen deutschen Beitrag zur Mondforschung gibt, denn die deutsche Beteiligung am Europäischen Mars-Explorationsprogramm Aurora (siehe Kasten) ist eher bescheiden“, sagt Markus Landgraf, Missionsanalyst der Esa.

Die sichtbare Mondseite ist relativ gut bekannt, aber: „Noch nicht erforscht sind die der Erde abgewandte Seite sowie das Innere des Mondes, seine volatilen Elemente und seine Funktion als Stützpunkt zur weiteren Erforschung des Alls“, sagt Landgraf. Und damit ist für die bemannte Raumfahrt eben vor allem der Mars gemeint: „Die Technologie, um bemannt zum Mars zu fliegen, gibt es bereits. In 15 Jahren könnte man Astronauten hochschicken.“ Seine Vision: „Vier Astronauten, die dort permanent forschen.“

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