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Experte sieht Los Angeles von Beben bedroht

Eigentlich hätte die Erde unter Los Angeles und den Wüstengebieten im Osten der Neun-Millionen-Stadt spätestens Anfang dieser Woche beben müssen. So hatte es der Geowissenschaftler Wladimir Keilis-Borok vorausgesagt. Seiner Prognose nach sollte sich im Süden Kaliforniens spätestens bis zum 15.

dpa NEW YORK. Eigentlich hätte die Erde unter Los Angeles und den Wüstengebieten im Osten der Neun-Millionen-Stadt spätestens Anfang dieser Woche beben müssen. So hatte es der Geowissenschaftler Wladimir Keilis-Borok vorausgesagt. Seiner Prognose nach sollte sich im Süden Kaliforniens spätestens bis zum 15. August ein Beben der Stärke 6,4 auf der Richter-Skala ereignen.

Dass seine Warnung erneut nicht zutraf, gab Keilis-Borok in einem Gespräch mit der dpa kleinlaut zu. Allerdings schließt der Geologie-Professor der Universität von Kalifornien in Los Angeles (Ucla) nicht aus, dass ein verspätetes Beben seine bisher nicht erfüllte Voraussage noch nachträglich zum haarscharf verfehlten Treffer, einem „Very Near Miss“, macht.

Keilis-Borok, ein gebürtiger Russe, hatte in 2003 zwei andere Erdbeben korrekt prognostiziert, für den Norden von Japan und die Westküste der USA: Die Insel Hokkaido wurde im September des Jahres von einem Beben der Stärke 8,1 getroffen und Zentralkalifornien im Dezember von einem Beben der Stärke 6,5. Keilis-Boroks Arbeiten wurden unter anderem von dem angesehen Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (Pnas) veröffentlicht.

Doch seine Wahlheimat Kalifornien servierte dem 83-jährigen Wissenschaftler auch eine empfindliche Niederlage. Im vergangenen Frühjahr warnte Keilis-Borok auf der Jahrestagung der Amerikanischen Seismologen-Gesellschaft in Palm Springs vor einem Beben entlang dem berüchtigten San-Andreas-Graben „bis spätestens 5. September“ 2004. Das gefürchtete Ereignis, das hunderten Menschenleben und viele Mill. Sachschaden hätte kosten können, trat nie ein.

„Die Vorhersage von Erdbeben ist der Heilige Gral der Seismologie und wurde von vielen Experten bisher als unmöglich angesehen“, wird Keilis-Borok von seiner Universität zitiert. „Aber sie ist nicht unmöglich.(...) Wir haben einen Durchbruch erreicht und haben einen Weg entdeckt, wie wir Prognosen nur noch Monate statt Jahre im Voraus geben können“, sagt der Wissenschaftler.

Seine Vorhersage stützt sich auf Messdaten von Mini-Beben über einen Zeitraum von 18 Jahren. Sie kündigen eine Spannungsentladung an, glaubt Keilis-Borok, der mit einem Team von Experten aus den USA, Japan, Kanada, Europa und Russland zusammenarbeitet. Die Wissenschaftler haben Algorithmen entwickelt, die ihnen eine weit genauere Prognose als in der Vergangenheit erlauben, wie sie sagen. „Wir arbeiten hart daran, diese Algorithmen weiter zu verbessern“, sagte Keilis-Borok der dpa.

Außer seinen zwei korrekten Vorhersagen in 2003 und seiner Fehlprognose in 2004 führt er drei Beben auf, die sich nur wenige Tage oder Wochen nach seiner Zeitvorgabe ereigneten: In Japan, Italien und dem an Kalifornien angrenzenden US-Bundesstaat Oregon. Obwohl er sich und seinen Mitbürgern in und um Los Angeles keine Naturkatastrophe wünscht, käme ein Beben in den nächsten Tagen, möglicherweise noch bis Ende August, seiner Statistik sehr gelegen. Dann könnte er zu seinen zwei Erfolgen (in 2003) und seinem einen Misserfolg (in 2004) einen vierten „Very Near Miss“ hinzufügen.

Die Warnungen des Russen spalten nach Angaben der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstagausgabe) allerdings die Fachwelt. Zwar halte der Geologische Dienst der USA die Methode für seriös. Doch die meisten Seismologen meinen demnach, sie sollte nicht öffentlich gemacht, sondern bei einer Fachjury hinterlegt werden.

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