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Experte: Vogelgrippe-Gefahr durch Zugvögel gering

Die von Zugvögeln ausgehende Gefahr, das Vogelgrippe-Virus nach Deutschland einzuschleppen, ist nach Expertenansicht gering.

dpa RIEMS. Die von Zugvögeln ausgehende Gefahr, das Vogelgrippe-Virus nach Deutschland einzuschleppen, ist nach Expertenansicht gering. Es sei sehr fraglich, ob erkrankte Tiere tatsächlich das Virus über den Vogelzug einschleppen können, sagte die Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Vogelgrippe, Ortrud Werner, in einem dpa-Gespräch.

Das Referenzlabor ist am Friedrich-Loeffler-Institutes auf der Insel Riems angesiedelt. „Am Vogelzug nehmen nur gesunde und leistungsstarke Tiere teil“, erläuterte Werner. Fraglich sei, ob infizierte Tiere noch in der Lage sind, diese Leistung zu vollbringen. „Wir wissen aus China und der Mongolei, dass die Tiere infiziert, erkrankt und zeitnah gestorben sind.“

Bei klinisch gesunden Wildvögeln, die in der Lage seien einen Vogelzug zu überstehen, ist das Virus nach Kenntnisstand der Riemser Experten bisher nicht nachgewiesen worden.

Die Ausbreitung der Vogelgrippe nach Russland ist nach Ansicht Werners eher über den Tierhandel als über den Vogelzug erfolgt. „Die größte Gefahr für Deutschland geht vom illegalen Import infizierter oder erkrankter Tiere aus.“

Wegen des derzeit geringen Übertragungsrisikos durch Wildvögel sei ein Freilaufverbot, wie es jetzt von drei Bundesländern umgesetzt werden soll, vom Bundesforschungsinstitut nicht empfohlen worden. „Wir halten eine solche Maßnahme zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für notwendig“, sagte Werner. „Anders sieht die Situation aus, wenn wir tatsächlich Wildvögel mit dem Erreger nachweisen.“ In einem solchen Fall sei ein Aufstallungsgebot sinnvoll. „Eine entsprechende Eilverordnung für ein bundesweites Aufstallungsgebot liegt in der Schublade.“

Die bislang geltende Verordnung des Bundes, die ein generelles Freilaufverbot bisher nicht einschließe, sei ein wirksames Frühwarnsystem zum Schutz vor der Vogelgrippe, betonte Werner. Demnach werden in einem ersten Schritt bevorzugte Wildvogel- Rastgebiete ermittelt. „In diesen Gebieten werden dann je 150 Kotproben auf das Vorhandensein des H5n1-Virus untersucht.“ Jäger seien verpflichtet, vermehrt tote Enten und Gänse zu melden. Zudem würden zwischen dem 15. Oktober und 15. Dezember Tiere in Freilandhaltung verstärkt kontrolliert.

Unterdessen ist die Freilandhaltung von Geflügel seit Donnerstag in einigen Regionen von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern verboten. Bis Ende November müssen die Geflügelhalter Hühner, Puten, Enten und Gänse in die Ställe sperren, um eine Übertragung des Virus durch den jetzt einsetzenden Vogelzug zu verhindern. Ausnahmen sind möglich. Dann müssen die Auslaufflächen für die Tiere aber abgedeckt werden.

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