Experten: Keine ausreichenden Mittel gegen weltweite Grippewelle

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Experten: Keine ausreichenden Mittel gegen weltweite Grippewelle

Die zunehmende Gefahr einer weltweiten Grippewelle kann nach Expertenmeinung kaum gebannt werden. „Es gibt derzeit keine ausreichend effektiven Medikamente gegen eine weltweite Grippe-Epidemie“, sagte Professor Stephan Ludwig vom Institut für Molekulare Virologie an der Universität Münster.

dpa MüNSTER. Die zunehmende Gefahr einer weltweiten Grippewelle kann nach Expertenmeinung kaum gebannt werden. „Es gibt derzeit keine ausreichend effektiven Medikamente gegen eine weltweite Grippe-Epidemie“, sagte Professor Stephan Ludwig vom Institut für Molekulare Virologie an der Universität Münster.

Besonders gegen die neuen in Asien aufgetauchten aggressiven Varianten der Grippe könnten die verfügbaren Arzneimittel nur wenig ausrichten. Die in jüngster Zeit häufiger beobachtete Übertragung von Vogelviren auf den Menschen sei ein Warnsignal für eine bevorstehende, folgenschwere weltweite Grippewelle. „Sobald diese Viren sich uneingeschränkt von Mensch zu Mensch verbreiten können, ist eine Grippewelle kaum aufzuhalten“, sagte Ludwig. Auf die Entwicklung passender Impfstoffe könne im akuten Fall nicht gewartet werden. „Das dauert mindestens ein halbes Jahr.“

Um die Gefahr zu bannen verfolgt Ludwig daher einen völlig neuen Ansatz der Grippebekämpfung. „Bisher gab es nur Hemmstoffe, die das Virus direkt angreifen. Stattdessen versuchen wir Mittel zu finden, welche die Zellen beeinflussen, mit deren Hilfe sich das Virus im Körper vermehrt“, sagte Ludwig. Ein entsprechender Wirkstoff sei bereits erfolgreich an Tieren getestet worden und könnte in acht bis zehn Jahren auf den Markt kommen. Bislang gebe es in der Pharmaindustrie kein Interesse, die Entwicklung solcher Mittel voranzutreiben. „Weil sich die Erwartung an vorhandene Grippe- Medikamente nicht erfüllt haben, denken die Verantwortlichen bei den Pharmafirmen, dass sich mit diesen Produkten kein Geld verdienen lasse“, sagte Ludwig.

Auch der Marburger Virologe Hans-Dieter Klenk hält die Furcht vor einer weltweiten Influenza-Epidemie für berechtigt. „Sie wird mit großer Wahrscheinlichkeit kommen. Es ist aber die Frage, wann“, sagte Klenk, Präsident der deutschen Gesellschaft für Virologie, der „Wetzlarer Neuen Zeitung“ (Samstagsausgabe). Da der Vogelgrippe-Virus auch auf Menschen überspringe, sei die Gefahr zurzeit groß. Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hatte vor wenigen Tagen berichtet, Deutschland sei nur unzureichend auf auf eine Epidemie großen Ausmaßes vorbereitet. Bei einer so genannten Pandemie müsse mit 90 000 Toten in Deutschland innerhalb von vier bis sechs Wochen gerechnet werden.

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