Forschung + Innovation
Experten skeptisch über „Aids-Selbstheilung“

Britische Mediziner haben den angeblichen „Aids-Bezwinger“ zu weiteren HIV-Tests aufgerufen.

dpa LONDON/BERLIN. Britische Mediziner haben den angeblichen „Aids-Bezwinger“ zu weiteren HIV-Tests aufgerufen. Das sei zur Klärung, ob und wie sein Immunsystem möglicherweise tatsächlich eine Infektion mit dem Aidserreger überwunden haben könnte, unbedingt erforderlich, hieß es am Montag beim staatlichen Gesundheitsdienst Großbritanniens (NHS). Auch deutsche Experten äußerten sich skeptisch.

Zugleich bestätigte der NHS, dass bei dem heute 25-jährigen Andrew Stimpson 2002 eine HIV-Infektion festgestellt worden sei und eine Untersuchung seines Blutes 14 Monate später den Befund „negativ“ ergeben habe. „Ich kann jedoch nicht bestätigen, dass er sich selbst kuriert hat“, sagte eine NHS-Sprecherin. „Als wir auf das negative Testergebnis aufmerksam wurden, haben wir ihm weitere Tests und die Suche nach einer Erklärung angeboten. Bis jetzt hat er das aber abgelehnt.“

Auch nach Ansicht deutscher Experten ist es für eine Euphorie viel zu früh. So sei unklar, mit welcher Methode das Verschwinden der Aids-Viren untersucht wurde, sagte der Aids-Experte des Robert Koch- Instituts (RKI), Ulrich Marcus, in Berlin. Der Aidserreger kann weiterhin unerkannt in Körperzellen schlummern, auch wenn im Blut keine Antikörper mehr nachzuweisen sind.

„Es hat immer wieder mal einzelne Berichte über Spontanheilungen gegeben, die allerdings schlecht belegt waren“, sagte Marcus. Auch in diesem Fall seien, obwohl er offensichtlich zuverlässiger dokumentiert sei, bislang zu wenig Details bekannt. „Es gibt jedoch theoretisch die Möglichkeit, dass das Immunsystem dieses Menschen es geschafft hat, das Virus aus dem Körper zu kriegen. Zum einen, weil es dazu durch bestimmte genetische Variationen begünstigt sein könnte, zum anderen, weil möglicherweise das HI-Virus selbst einen genetischen Defekt hatte“, erläuterte Marcus.

Aus der besonderen genetischen Ausstattung eines Menschen einen möglichen therapeutischen Ansatzpunkt herauszufiltern, ist sehr schwer. So ist auch eine Gruppe afrikanischer Prostituierter, die sich nicht mit HIV anstecken, seit Jahren Gegenstand von Studien - bislang allerdings ohne großen Erfolg.

Die Deutsche Aids-Hilfe warnte davor, Aids nicht mehr als Gefahr wahrzunehmen. Nach wie vor sei Vorbeugung der beste Schutz vor Aids, sagte Guido Schlimbach von der Aids-Hilfe in Berlin. Der Anstieg an HIV-Neuinfektionen im ersten Halbjahr 2005 in Deutschland lasse auf ein verändertes Risikoverhalten schließen, das unter anderem auf unrealistische Heilungsfantasien zurückzuführen sei.

Stimpson sagte Reportern, er wolle helfen, die Ursachen seiner „Selbstheilung“ aufzuklären. Er hoffe, damit anderen Infizierten helfen zu können.

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