Expertenstudie: Ein engmaschiges Netz verhindert Blackouts
Stromversorgung in Deutschland sicherer als in anderen Ländern

Stromausfälle, wie sie im Spätsommer dieses Jahres gleich in vier Ländern (USA, England, Schweden und Italien) aufgetreten sind, sind in Deutschland nicht zu befürchten. Das ist das Fazit von Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft, die im Auftrag der Energietechnischen Gesellschaft im VDE, dem Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V., die Ursachen der Backouts analysiert haben und ihre Ergebnisse heute in Frankfurt vorstellen.

DÜSSELDORF. Die Studie bestätigt die Einschätzungen der Netzbetreiber – die diese kurz nach den Blackouts gegeben haben –, dass einzelne Probleme bei der Stromversorgung in dem engmaschigen deutschen Stromnetz besser aufgefangen werden könnten, so dass die Stromversorgung nicht ernstlich gefährdet sei. „Wenn Engpässe im Netz entstehen, dann können die Netzbetreiber in unserem Land schnell gegensteuern und einen Ausgleich schaffen“, erläutert der Vorsitzende der Energietechnischen Gesellschaft Wolfgang Schröppel. Bei der hohen Netzdichte gebe es immer Leitungen, die den Stromtransport übernehmen könnten.

Positiv wirke sich auch die gleichmäßige Verteilung von Energieerzeugung und -verbrauch aus. Da die Kraftwerke in der Nähe der Stromverbraucher gebaut wurden, sind die Leitungen kurz. Sie sind in der Regel weniger als 100 km lang – aber nie länger als 300 km. In den USA dagegen müssen Distanzen von im Extremfall bis zu 1 500 Kilometern überbrückt werden. „Da ist es dann schwieriger, eine ausgefallene Leitung zu ersetzen“, sagt Schröppel.

Während die Stromausfälle in den USA, England und Schweden vor allem durch technische Probleme verursacht wurden, ist der Blackout in Italien vor allem auf den hohen Stromimport zurückzuführen: Als durch den Ausfall von Übertragungsleitungen in der Schweiz die Stromzufuhr aus Frankreich gekappt wurde, waren in dem Land keine Reserven vorhanden, die den Importausfall hätten ausgleichen können. „Auch das kann zurzeit in Deutschland nicht passieren, da wir eine ausgeglichene Import- und Exportquote haben“, beruhigt der VDE-Experte.

Obwohl die Analyse der Experten ein recht positives Bild für Deutschland zeichnet, dürfe man sich nicht in zu großer Sicherheit wiegen, warnt Schröppel: „Wenn die Netze nicht ständig der steigenden Auslastung angepasst werden, könnte es auch bei uns eines Tages krachen.“

Ein besonderes Problem wirft die verstärkte Nutzung der Windenergie auf. Der Anteil der installierten Windleistung steigt stetig und beträgt bereits heute 18 % der Spitzenlast. Die Netzbetreiber – vor allem die für Norddeutschland zuständigen Konzerne Eon und Vattenfall Europe – stehen vor der Herausforderung, dass sie die von den Windrädern erzeugte Energie über das Land verteilen müssen. „Dafür benötigt man zusätzliche Überlandleitungen“, gibt Wolfgang Neldner, Geschäftsführer bei der Vattenfall Europe Transmission GmbH, zu Bedenken.

Außerdem muss in Zeiten in denen der Wind nicht oder nur schwach bläst, für Ersatzenergie gesorgt werden. Dann müssen Reservekraftwerke kurzfristig einspringen und die fehlende Energie liefern. Unklar ist bislang jedoch, wer die zusätzliche Technik bezahlen soll. Mit der Trennung von Kraftwerk und Netz sowie dem forcierten Wettbewerb auf der Erzeugerseite folgt der Kraftwerks- und Netzbetrieb heute anderen Markt- und Rentabilitätskriterien.

„Hier müsste ein energiepolitischer Rahmen möglichst schnell Investitionssicherheit schaffen“, fordert Schröppel, der gleichzeitig Manager im Siemens-Bereich PTD (Powertransport and Distribution) ist. Lange warten könne man nicht, drängt der VDE. Die Planung und der Bau von Überlandleitungen dauere mehr als zehn Jahre, da für das Aufstellen der Strommasten erst noch die Grundstücke erworben werden müssen.

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