Extrasolare Welten: Millionen Planeten mit Doppelsonne in der Milchstraße

Extrasolare Welten
Millionen Planeten mit Doppelsonne in der Milchstraße

Planeten, die von zwei Sonnen beschienen werden, kannte man bislang eher aus Science-Fiction-Märchen. Jetzt haben Forscher zwei dieser bizarren Himmelskörper aufgespürt – und rechnen mit Millionen ähnlicher Welten.
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DüsseldorfDas Weltraumteleskop „Kepler“ hat zwei ferne Planeten aufgespürt, an deren Himmel jeweils eine Doppelsonne strahlt. Die beiden sogenannten Exoplaneten umkreisen jeweils ein System aus zwei Sternen, wie Astronomen um William Welsh von der San Diego State University im britischen Fachblatt „Nature“ berichten.

Die Konstellation erinnere an den fiktiven Planeten Tatooine aus der Kinosaga „Star Wars“, erläuterte Co-Autor Josh Carter vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik in einer Mitteilung. „Wieder einmal holt die Wissenschaft die Science Fiction ein.“

Unter der Doppelsonne von Tatooine liegt im Leinwandmärchen die Heimat der Hauptfiguren Anakin und Luke Skywalker. Die beiden realen Neuentdeckungen mit den Katalognummern Kepler-34b und Kepler-35b sind für Leben allerdings ungeeignet – sie sind gasförmig und etwa so groß wie Saturn, der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems.

Die beiden Himmelskörper befinden sich 4.900 beziehungsweise 5.400 Lichtjahre von der Erde entfernt. Kepler-34b benötigt 289 Tage für einen Umlauf um seine beiden Sonnen, die sich wiederum gegenseitig alle 28 Tage umkreisen. Kepler-35b kreist einmal in 131 Tagen um seine Heimatsterne, die für einen Tanz umeinander 21 Tage benötigen.

In beiden Doppelsternpaaren ähneln die einzelnen Sterne unserer Sonne. Da sich die Doppelsterne jedoch vorübergehend gegenseitig bedecken, schwankt auch die Strahlung stark, die ihre Planeten erreicht. Die beiden Exoplaneten dürften daher chaotische Wetterkapriolen durchmachen, meint Welsh. „Es wäre wohl so, als würde man alle vier Jahreszeiten mehrmals pro Jahr zu erleben, und zwar mit enormen Temperaturschwankungen.“

„Kepler“-Forscher hatten bereits im September 2011 die Entdeckung eines Planeten mit zwei Sonnen gemeldet. Damals war noch nicht klar, ob es sich um einen bizarren Einzelfall handelt. „Die Umgebung eines Sternenpaars galt früher als zu chaotisch für die Entstehung von Planeten“, so Welsh, der den Fund auf der Jahrestagung der Amerikanischen Astronomengesellschaft AAS in Austin (Texas) vorstellte.

Basierend auf ihren Beobachtungen vermuten die Wissenschaftler nun, dass rund ein Prozent aller engen Doppelsternsysteme einen oder gar mehrere Riesenplaneten beherbergen. Damit könnte die Zahl der Planeten mit Doppelsonnen in unserer Milchstraße in die Millionen gehen.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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