Exxon testet alternative Fördertechnik
Sprengladung setzt Gasreserven frei

Die Lüneburger Heide hat was: Oben grasen die Heidschnucken, 5 000 Meter unter ihren Hufen lagern große Mengen Erdgas. Mit rund 18 Mrd. Kubikmeter jährlich werden fast 20 % des deutschen Erdgasverbrauchs aus heimischen Quellen gedeckt. 90 % stammt davon aus Niedersachsen.

HB HAMBURG. Die bekannten Reserven reichen mit 300 Mrd. Kubikmetern für weitere 15 Jahre. Tatsächlich sind die Reserven jedoch größer, sagt Norbert Stahlhut von der Fördergesellschaft Exxon Mobil Production. Weitere 100 bis 150 Mrd. Kubikmeter könnten es sein. Doch deren Erschließung ist recht aufwendig.

„Tight Gas“ (festsitzendes Gas) nennen die Fachleute diese Vorkommen. Während die Erdgaslagerstätten in Niedersachsen in der Regel aus einem groben, porösen Sandstein bestehen, aus dem das Gas auf Grund des hohen Drucks in der Lagerstätte nach der Bohrung von allein fließt, ist das „Tight Gas“ in dem Sandstein gebunden. Die Gesteinsschicht in rund 5 000 Metern Tiefe ist extrem verdichtet und hält das Gas fest. Hinzu kommt: Die „Tight Gas“-Läger sind zwar mehrere Kilometer lang, aber nur 90 bis 170 Meter dick. „Diese Kombination aus flachen Lägern in großer Tiefe ist weltweit einmalig“, sagt Exxon Mobil Bohringenieur Matthias Schmidt.

Die traditionelle Art, ein Loch senkrecht in das Gaslager zu bohren, bringt wegen der flachen Lagerformation nichts. Daher versuchen die Bohringenieure die Gesteinsschicht mit horizontaler Bohrung zu erschließen. Während beim senkrechten Bohren der Bohrmeißel mit dem Bohrgestänge vom Drehtisch des Bohrturms aus gedreht wird, dreht sich beim horizontalen Bohren das Gestänge nur langsam, um ein Verkanten im Bohrloch zu verhindern. Gebohrt wird mit einem leicht angewinkelten Bohrmeißel. Dieser wird durch die mit hohem Druck durch das Bohrgestänge gepumpte Bohrspülung über eine Turbine angetrieben.

Die Spülung kühlt gleichzeitig den Meißel und transportiert das zermahlene Gestein nach oben. „Drehen Sie einen Teelöffel durch einen Block Butter, dann kommen Sie gerade nach unten. Schieben sie den Löffel aber in die Butter, dann weicht er in Richtung der Löffelspitze aus“, erläutert Gerion Pust, Betriebsleiter auf der niedersächsischen Bohrung Scharmbeck das Prinzip. Diese Horizontalbohrungen können mehrere Kilometer weit vom Bohrturm in die Lagerstätte führen. Dies wird bereits in der Öl- und der Gasförderung praktiziert. RWE-Dea hat so das größte deutsche Ölfeld Mittelplate im Wattenmeer vom Festland aus angezapft.

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