Forschung + Innovation
Fachjournale wollen die Offenlegung medizinischer Studien erzwingen

Mit einer gemeinsamen Initiative wollen zahlreiche hochrangige Fachzeitschriften künftig verhindern, dass unliebsame Ergebnisse medizinischer Studien in der Schublade verschwinden.

dpa LONDON/FREIBURG. Mit einer gemeinsamen Initiative wollen zahlreiche hochrangige Fachzeitschriften künftig verhindern, dass unliebsame Ergebnisse medizinischer Studien in der Schublade verschwinden.

Um dies zu erreichen werden Journale wie das älteste Medizinblatt „The Lancet“ (London) die Ergebnisse von Studien mit Versuchspersonen nur noch dann begutachten und publizieren, wenn die Untersuchung bereits vor der Beteiligung der Probanden öffentlich registriert wurde. Damit soll die Existenz einer Untersuchung unwiderruflich bekannt gemacht werden, damit später jedermann nach den Ergebnissen fragen kann. Stichtag ist der 1. Juli 2005.

Kritische Forscher schätzen, dass bis zur Hälfte aller medizinischer Studien in der Schublade bleiben, weil sie nicht das gewünschte Ergebnis hatten. Weil auf diese Weise mehr erfolgreiche als negative Studien veröffentlich würden, entstehe ein verzerrtes und vielfach zu positives Bild, heißt es dazu beim Deutschen Cochrane-Zentrum in Freiburg. Dieses internationale Ärzte- und Wissenschaftlernetzwerk fasst alle zugänglichen Studien zu einem Thema zusammen, um sich daraus eine möglichst gesicherte Aussage über die Wirksamkeit dieser oder jener Behandlungsmethode zu bilden.

Zu den Fachblättern der Initiative gehören auch das „Journal of the American Medical Association“ und das „New England Journal of Medicine“. Beteiligt ist zudem die umfassende Sammlung von medizinischen Fachartikeln „Medline“. In einer Erklärung des Verbundes heißt es: „Ehrliche Berichterstattung beginnt mit dem Aufdecken aller klinischen Studien, auch solcher, die sich als unvorteilhaft für das Produkt des Finanziers erweisen.“

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