Fachmesse „Acqua Alta“ in München
Mobiler Damm schützt vor Hochwasser

Noch haben die Flüsse in Deutschland als Folge des heißen Sommers Niedrigwasser, doch sollte es eine längere Zeit regnen, dann kann sich das schnell ändern. Wie schnell, das haben die Hochwasser der vergangenen Jahre gezeigt. Dann heißt es: schnell handeln – Schutzwälle errichten, Dämme und Deiche schützen.

MÜNCHEN. Bislang wurden dazu unzählige Säcke mit Sand gefüllt und zu einer Schutzmauer aufgetürmt. Beim Jahrhunderthochwasser entlang der Elbe wurden laut Technischem Hilfswerk 33 Millionen Sandsäcke gestapelt, um das eindringende Wasser zurückzuhalten. Dieser Schutz ist zwar recht billig, ist jedoch sehr aufwendig und kostet Zeit. Hochwasserschützer haben sich daher Alternativen einfallen lassen: klappbare Bürgersteige, die bei drohender Flut hochgefahren werden, Dammbalken, die in transportable oder vorab verbaute Fassungen eingelegt werden oder vorgefertigte Module, die per Radlader aufgestellt und mit Wasser beziehungsweise Erdreich gefüllt werden können und Schläuche, die sich automatisch aufpusten.

Im Gegensatz zur Allzweckwaffe Sandsack können solche Systeme allerdings nicht überall und nicht von jedem rekrutierten Helfer installiert werden. Und, sie sind teurer als die mit Sand gefüllten Säcke, die nahezu unbegrenzt zur Verfügung stehen. Gezeigt werden die neuen mobilen Schutzsysteme zurzeit in München auf der „Acqua Alta“, einer neuen Fachmesse für Hochwasser und Katastrophenschutz. Die Messe dauert noch bis einschließlich Donnerstag.

Viele der in München präsentierten Techniken haben sich bereits in der Praxis bewährt. So schützt ein Klappdamm den Segelflughafen in Sinsheim. Droht die Elsenz in der baden-württembergischen Stadt über die Ufer zu treten, stellt sich der ehemals flache Weg auf Knopfdruck quer und schützt die Flugzeuge, während die Start- und Landebahn als Polder vollläuft. Die Länge des Klappdamms: 45 Meter. Der versenkbare Schutzwall kostet eine halbe Million Euro – mehr als 10 000 Euro pro Meter. Man habe sich wegen der sehr kurzen Vorwarnzeit für diese Lösung entschieden, erläutert Gerold Werner vom regionalen Zweckverband Hochwasserschutz. Bis die Sandsack-Maschinerie auf Hochtouren läuft, ist in Sinsheim im schlimmsten Falle längst Land unter.

Wesentlich billiger dagegen sind Schläuche, die flach und luftleer im Boden verlegt werden und sich bei drohendem Hochwasser von alleine aufblasen. Einen Meter wird der Damm hoch. Es gibt aber auch Systeme, die sich bis drei Meter hoch aufpumpen lassen. Der Schlauchdamm kostet pro Meter etwa 5 000 Euro. Noch billiger und seit langem bewährt sind Balkenbarrieren. Hier werden Elemente aus Aluminium oder Holz in feste Halterungen zwischen zwei Mauern gelegt.

Solche Schutzwälle müssen jedoch fest installiert werden, während das Schutzsystem der Gießener Firma Quick Damm wie ein Wall aus Sandsäcken schnell an den gefährdeten Ufern aufgebaut werden kann. Hierbei handelt es sich um vormontierte Behälter, die flach zusammengelegt, an die gefährdeten Orte transportiert werden. Mit wenigen Handgriffen wird ein Rohrsystem zusammengesteckt, daran eine Plane befestigt und das Damm-Modul mit Erdreich gefüllt. Dieser mobile Schutzwall ist begehbar. Eis sowie Treibgut können ihm nichts anhaben. Die gefüllten Wannen – sie wurden zusammen mit Hochwasser-Profis entwickelt – sind stapelbar. Der schnelle Schutz ist ab hundert Euro pro Meter zu haben.

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