Fälschungen
Tesafilm schützt Markenware

In Russland hatte Beiersdorf vor allem ein Problem: Minderwertige Immitate ihrer eigenen Produkte kamen zu Hauf auf den Markt. Mit Hilfe einer Technologie aus dem eigenen Haus hat der Kosmetikhersteller das Problem gelöst. Ein neuartiges Klebe-Etikett der Firmen-Tochter Tesa weist nun die Herkunft von Produkten fälschungssicher aus.

HAMBURG. Ein winziges Kunststoff-Etikett rettete das Geschäft: Rund ein Drittel aller Produkte, die in Russland mit dem Aufdruck Nivea Hair Care im Regal standen, hielten nicht, was sie versprachen. So lautete das ernüchternde Ergebnis einer Prüfung des Herstellers Beiersdorf vor zwei Jahren. In imitierten Kunststoffflaschen befand sich statt Nivea-Shampoo minderwertige Ware. Die Folge: massive Einbußen beim Umsatz.

Mit Hilfe einer Technologie aus dem eigenen Haus hat der Kosmetikhersteller das Problem gelöst: Die zur Beiersdorf-Tochter Tesa gehörende Tesa Scribos lieferte Sicherheitsetiketten, mit denen Nivea-Produkte fortan beklebt wurden. Sie enthielten Daten, die die Flaschen im Handel als Originale auswiesen – der Umsatz stieg um 40 Prozent.

Basis der Technologie war die 1998 von den beiden Physikern Steffen Noethe und Matthias Gerspach gemachte Entdeckung, dass ein Laserstrahl die Struktur von Tesafilm beeinflusst. Er erzeugt eine kreisrunde Veränderung der Polymerstruktur, die sich scharf vom umgebenden Film abgrenzt und mit Hilfe spezieller Geräte lesen lässt. Diese nur einen Quadratmillimeter große und Holospot genannte Folie kann bis zu einem Kilobyte verschlüsselte Informationen wie Texte, Bilder oder Logos speichern.

Inzwischen hat Tesa Scribos die Sicherheits-Technologie verfeinert. Der Holospot ist laut Geschäftsführer Joachim Suesse in ein Etikettensystem integriert, das flexibel kombinierbar sichtbare und verdeckte Informationen auf vier Ebenen gestattet. Einige Informationen auf dem neu entwickelten schwarz-silbernen Polymermaterial aus Polyethylen können mit bloßem Auge gelesen werden und erlauben so auch Verbrauchern, die Echtheit eines Produkts zu prüfen. Andere Daten dagegen können nur per Laserlupe oder digitalem Lesegerät entziffert werden, das sich in das EDV-Programm von Herstellern integrieren lasse.

Die Verantwortlichen von Tesa Scribos hoffen, bei der Vermarktung ihrer Technologie auf ein wachsendes Bedürfnis nach Schutz vor Fälschungen. „Dieses ist in Europa im Gegensatz zu den USA noch gering ausgeprägt“, sagt Suesse. Als am stärksten von Produktfälschungen betroffene Länder nennt er in Europa die deutschsprachigen und skandinavischen Staaten sowie Frankreich und Großbritannien.

Bei Fälschern beliebt sind international bekannte Markenprodukte aus den Bereichen Autoersatzeile, Nahrungs- und Genussmittel, Kosmetika Software, Tonträger, Textilien und Arzneimittel. Die EU-Kommission schätzt den weltweit durch Fälschungen verursachten Schaden jährlich auf fünf bis neun Prozent des Welthandels – also 200 bis 300 Mrd. Euro.

Seit rund sechs Monaten im Einsatz sind die Holospots bei der Siemens VDO Trading in Frankfurt am Main. Sie rüstet KFZ-Originalersatzteile für den freien Teilehandel mit den Etiketten aus. Vertrieb, Groß- und Einzelhandel sowie Werkstätten wurden über die Erkennungsmerkmale informiert. „Das Echo der Händler ist positiv“, sagt Heinz Drott, Leiter des Produktmanagements bei Siemens VDO. „Unser Ziel ist, das Bewusstsein für Originalteile zu schärfen.“ Dabei würden die Kosten von etwa 1,5 bis 5 Cent pro Etikett nicht ins Gewicht fallen.

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