Fahndung nach „schlechten“ Eiweißen
Hefe hilft bei der Krebsforschung

Neue Hoffnung im Kampf gegen Krankheiten, die bislang gar nicht oder nur unzureichend behandelt werden können. Eine von Bonner Wissenschaftlern entwickelte Screening-Methode erkennt krank machende Proteine. Sind diese erst entdeckt, kann ein passender Hemmstoff gegen den Störer entwickelt werden. Ein wichtiger Helfer dabei ist Hefe.

BERLIN. Wissenschaftler des Bonner Forschungszentrums Caesar (Center of Advanced European Studies and Research) haben ein Verfahren entwickelt, das beispielsweise bei Krebs- und Aids-Erkrankungen bessere Behandlungsmethoden ermöglichen soll. Das Forscherteam um Hanjo Hennemann, der die Arbeitsgruppe Protein-Interaktionsanalyse leitet, fahndet mit einem Screening-Verfahren nach krankmachenden Proteinen, so genannte Drug Targets. Während sich Proteine in gesunden Zellen zu geordneten Strukturen zusammenschließen – ist dieser Prozess in kranken Zellen gestört. Bei der Untersuchung werden die verantwortlichen Zellbestandteile und deren Wirkweise nun erkannt.

Die neue Methode funktioniert, weil statt einzelner Strukturen ganze Proteinnetze untersucht werden. „Proteine erfüllen ihre Aufgaben in den Zellen nur dann richtig, wenn sie reibungslos zusammenwirken“, erläutert Caesar-Forscher Hennemann. „Mithilfe der üblichen Verfahren kann dieses vernetzte Zusammenwirken nicht analysiert werden.“ Sind die Problem-Proteine erkannt, lassen sich gezielt Wirkstoffe entwickeln. Hennemann setzt dabei auf kleine Eiweißmoleküle, Peptide genannt, die an die Krankmacher angedockt werden, um ihr Wirken zu blockieren.

Beispiel Krebs: Zunächst wird durch das Screening ermittelt, welche Verbindungen Proteine, die in Krebszellen entstehen, mit gesunden Eiweißen eingehen. Dabei wird auch klar, ob sie das gesamte Netz stören. In jeder Zelle regeln mehrere hunderttausend Proteine Abläufe wie das Zellwachstum und die Signalweiterleitung. In krankhaften Zellen laufen lebenswichtige Prozesse in der Zelle aus dem Ruder, indem es etwa zu unkontrolliertem Wachstum kommt.

Ist nun die Fehlfunktion eines Eiweißes ermittelt, kann ein passender Hemmstoff gegen den Störer entwickelt werden. Ein wichtiger Helfer dabei sind Hefezellen. „Wir verwenden diese, weil sie im Innern wie menschliche Zellen aufgebaut sind, sich aber leichter, schneller und billiger handhaben lassen“, sagt Hennemann.

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