Fallschirmspringer
Schneller gleiten als fallen

Mit einem neuen High-Tech-Flügel aus Kohlefasern sollen Fallschirmspringer der Bundeswehr künftig schneller und sicherer an ihrem Einsatzort landen. Der Schirm wird dabei erst unmittelbar über dem Zielgebiet geöffnet.

DÜSSELDORF. Der Flügel mit einer Spannweite von knapp zwei Metern wird auf dem Rücken befestigt und sorgt dafür, dass der Springer mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 Stundenkilometern selbst bei Gegenwind Entfernungen von rund 50 Kilometern überwinden kann.

Die Münchener Firma ESG Elektroniksystem- und Logistik entwickelt diesen Kohlefaserflügel als Ergänzung zu dem Gleitfallschirmsystem Shaps (Special High Altitude Parachute System). Dieses hat ESG 2003 mit der Lübecker Firma Draeger Aerospace im Konsortium Spelco entwickelt. Shaps, das die Bundeswehr bei Spezialeinsätzen nutzt, erzielt zwar ähnliche Reichweiten, ist aber deutlich langsamer. Während die Fallschirmspringer mit dem herkömmlichen System etwa 45 Minuten durch die Luft gleiten bis sie ihr Ziel erreichen, beträgt die Flugdauer mit dem zusätzlichen Flügel nur noch 15 Minuten.

Gleitfallschirme wurden erstmals in den späten 60er Jahren entwickelt. Sie fliegen durch die räumliche Trennung von Schwerpunkt (in der Nähe der Nutzlast) und Auftriebszentrum (in der textilen Tragfläche) sehr stabil. Richtungsänderungen werden über so genannte Steuerleinen ausgelöst, die links und rechts an der Hinterkante des Gleitfallschirms befestigt sind. Mit ihnen wird der Fallschirm asymmetrisch verformt.

Das Shaps-System erlaubt Einsatzkräften einen Absprung aus rund zehn Kilometer Höhe und den Transport von bis zu 100 Kilogramm Ausrüstung. Dank Zusatzmodulen wie Sauerstoffsystemen, Navigationsgeräten, speziellen Containern zum Transport von Waren oder Thermokleidung kann das Flugsystem für unterschiedliche Einsätze genutzt werden. Dabei schweben die Gleitfallschirme fast lautlos durch die Luft. Die Fallschirmspringer können so in schwierig erreichbare Gegenden vordringen, ohne dass ihr Transportflugzeug in eine Gefahrenzone fliegen muss. „Eine Ortung des Gleitfallschirmsystems durch luft- oder bodengestützte Radaranlagen ist äußerst schwierig“, sagt ESG-Sprecher Jörg Riedl. Allerdings ist das Shaps-System wetteranfällig: Bei Gegenwind ist das Einsatzspektrum des Gleitfallschirms deutlich eingeschränkt.

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