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FDA warnt vor weiteren Schmerzmittel

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat vor einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko bei Einnahme größerer Mengen Naproxen gewarnt. Das ist die dritte Warnung vor Schmerz- und Rheumamitteln innerhalb von drei Monaten.

dpa ROCKVILLE. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat vor einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko bei Einnahme größerer Mengen Naproxen gewarnt. Das ist die dritte Warnung vor Schmerz- und Rheumamitteln innerhalb von drei Monaten.

Patienten sollten das rezeptfreie Naproxen nicht länger als zehn Tage ohne ärztlichen Rat einnehmen, teilte die FDA am Montag mit. Zudem sollten sie nicht mehr als zwei Mal täglich jeweils 220 Milligramm des Wirkstoffs schlucken. Naproxen wird auch in Deutschland unter anderem bei Rheuma, Arthritis, schmerzhaften Schwellungen und Entzündungen sowie Schmerzen bei der Menstruation verwendet.

Die US-Behörde beruft sich bei ihrer Warnung zu Naproxen auf vorläufige Ergebnisse einer Studie zur Alzheimer-Krankheit. Es gebe Hinweise, dass Probanden, die Naproxen bekamen, ein leicht erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten hatten. Der Wirkstoff steckt auch in den in Deutschland erhältlichen Medikamenten namens Naproxen, Aleve, Dolormin, Dysmenalgit, Prodolor und Proxen.

Damit kommen nach den so genannten Cox-2-Hemmern Vioxx und Celebrex mit dem Nachfolgepräparat Bextra nun ältere Rheumamittel in die Diskussion. Naproxen gehört zu den „Nicht-steroidalen Antirheumatika“ und wird seit 1976 verkauft. Die modernen Cox-2- Hemmer sind ebenfalls „Nicht-steroidale Antirheumatika“. Sie wurden vor allem verschrieben, weil sie im Gegensatz zu den älteren Mitteln weniger Magenbeschwerden auslösen.

Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, warnte vor Überreaktionen auf Meldungen über Herz-Kreislauf-Risiken von Naproxen. Bei solchen konventionellen Rheumamitteln seien seit längerem vereinzelte Herz-Kreislauf-Risiken bekannt. Diese seien aber bei weitem nicht so hoch wie bei den Cox-2-Hemmern, sagte Müller-Oerlinghausen der dpa.

Er sprach sich aber dafür aus, alle Antirheumatika vorerst am Markt zu behalten, um für jeden Patienten das beste Präparat auswählen zu können. Dabei komme es auf die kritische und sorgfältige Verschreibung der Medikamente an. „Wir setzen bei Rheuma extrem gefährliche Substanzen ein, und das Risiko nehmen wir in Kauf, weil es nichts anders gibt“, sagte der Mediziner. „Wenn Ärzte aber nicht vernünftig damit umgehen, gibt es keine andere Möglichkeit als die Substanzen vom Markt zu nehmen.“

Der Professor kritisierte die Werbung für die neuen Cox-2-Hemmer als „außerordentlich aggressiv“. Aber auch Patienten sollten umdenken. „Die Ärzte lassen sich von der Werbung beeinflussen und die Patienten machen Druck, die neuesten Medikamente zu bekommen.“ Diese seien jedoch nicht immer die besten für den jeweiligen Erkrankten.

Unterdessen hat der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson vor einem Risiko von Lungenentzündung und Leberschäden bei seinem Arthritis- Medikament Remicade (Wirkstoff Infliximab) gewarnt. Der Beipackzettel werde entsprechend ergänzt. Der Wirkstoff wird in Deutschland nur als Pulver für Infusionslösungen eingesetzt. Infliximab blockiert als Antikörper einen Eiweißstoff des Immunsystems, den Tumornekrosefaktor-alpha.

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