Forschung + Innovation
Fehler fix behoben

KÖLN. Die Welt ist dreidimensional – und das hat seine Tücken. Als bei einem deutschen Automobilhersteller die Produktion eines neuen Fahrzeugmodells anlaufen sollte, zersprang nach dem Einbau regelmäßig eine gewölbte Seitenscheibe. Ein Montageproblem, ein Konstruktionsfehler oder Qualitätsmängel beim Lieferanten? Um die Ursache zu erkunden, müsste man mögliche Abweichungen messen – nur wie?

Die Klärung brachte eine Innovation der Callidus Precision Systems GmbH aus Halle: Mit einem Laserscanner ließ der Autobauer die Scheibe dreidimensional vermessen. Binnen Minuten konnten die Spezialisten ein mikrometergenaues Abbild der Scheibe am Computerschirm präsentieren und optisch mit den Konstruktionsdaten vergleichen. Farbige Markierungen zeigten die entscheidenden Abweichungen in der Kontur. „Damit wusste der Lieferant, wo er nachbessern musste. Der Fehler war fix behoben“, berichtet Callidus-Chef Erik Niebuhr.

In Niebuhrs kleinem Team sind 26 der 30 Beschäftigten Akademiker. Um die junge Technologie in den Markt zu drücken, arbeiten sie ständig daran, die Produktfamilie in kurzem Zyklus zu erweitern und den speziellen Kundenanforderungen anzupassen.

„Wir sind Know-how-Träger der Scantechnologie. Über die von uns entwickelte Software fließt die Intelligenz in die Geräte“, sagt Niebuhr. Zwar baut Callidus die Scanner selbst zusammen, kooperiert dabei aber intensiv mit rund 70 kleinen und mittelgroßen Partnerfirmen.

Mechanische und optoelektronische Spezialbauteile lässt Callidus – oft nach individuellen Anforderungen und in kleinen Stückzahlen – extern entwickeln. Wichtiger Innovationsfaktor: die Beweglichkeit. „Unsere Lieferanten sind flexibel genug für Kleinserien, können kurzfristige Änderungen umsetzen und haben das nötige Engagement.“

Die Netzwerk-Strategie trägt Früchte: Wachstumsraten von 20 bis 30 % im Jahr sind bei Callidus normal. Das High-Tech-Unternehmen, das 80 % des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, rechnet nach mehreren Entwicklungsjahren und der Markteinführung in diesem Jahr für 2004 erstmals mit einem kleinen Gewinn. Mit zwei neuen Nahbereichsscannern, die kleine Gegenstände in der Größe eines Knopfes beziehungsweise größere Bauteile wie das Armaturenbrett eines Autos präzise erfassen, zielt Callidus auf den aussichtsreichen Markt der Industrieanwendungen. „Schon in diesem Jahr sollen die Industrie-Systeme zwei Drittel zum Gesamtumsatz beisteuern“, sagt Niebuhr.

Gerade in der Produktion und Qualitätssicherung gewinnen 3-D- Laserscanner rasant an Bedeutung.Die drei patentierten Callidus-Systeme erfassen und visualisieren Objekte und Hohlräume, indem sie mit einem Laser bis zu 4 000 Messpunkte pro Sekunde ermitteln. Die digitale Punktwolke wird mit einer eigenen Software oder Fremdsoftware ausgewertet. Teure Fehler in der Produktions-Planung, die etwa durch Medienbrüche beim Übergang in die CAD-Welt entstehen, sollen so vermieden werden.

Angefangen hatte alles mit der 3-D-Vermessung von Bauwerken. Die Usprungsidee kam Niebuhr, als er 1996 in Halle ein altes, verwinkeltes Haus kaufte und stolze 25 000 Mark für vier Wochen Handvermessung hinblättern musste. Derart inspiriert, ging er mit seiner damals auf Softwareprogrammierung spezialisierten Firma die automatisierte Raumvermessung an.Um nicht von der darbenden Baubranche abhängig zu werden, investierte Niebuhr frühzeitig mit Risikokapital in die Weiterentwicklung seiner Technik. Der technologische Trumpf der Hallenser ist neben der Pulslaufzeitmessung die doppelte punktweise Lasertriangulation. Dabei wird der reflektierte Laserstrahl nicht nur von einem, sondern von zwei Sensoren aufgefangen, erklärt Chefentwickler Alfred Sontag. „Das macht die Messung extrem genau und robust.“ Das scheint sich herumzusprechen – bis nach Japan: Autobauer Nissan in Tokio gehörte zu den ersten Käufern eines 160 000 Euro teuren Callidus Scanners.

Niebuhr ist mitunter überrascht, wie viele Anwendungen sich für seine Produkte auftun. Ein Hersteller von künstlichen Hüftgelenken setzt sie in der Qualitätsüberwachung ein. Und eine Schokoladenfabrik schuf mit Hilfe des Callidus CT 180 preiswerte Formen für Osterhasen und Weihnachtsmänner.

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