Forschung + Innovation
Fernsehen macht dick, dumm und gewalttätig

dpa BONN. Zu viel Fernsehkonsum macht Kinder nach wissenschaftlichen Studien dick, dumm und gewalttätig und führt eindeutig zu schlechteren Schulleistungen. Dies berichtet der Ulmer Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer in einem Artikel für die Zeitschrift „Forschung & Lehre“, den die Redaktion am Mittwoch in Bonn veröffentlichte.

Mehr als 50 Studien in mehreren Ländern hätten stets zu demselben Ergebnis geführt: Die Wahrscheinlichkeit, übergewichtig zu werden und dauerhaft zu bleiben, nehme mit jeder zusätzlichen Stunde Fernsehkonsums zu ­ mit negativen gesundheitlichen Folgen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Arteriosklerose.

Fernsehkonsum wirke sich nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen auch negativ auf die geistige Verfassung aus und führe bei Kindern zu schlechten Noten, erläuterte Spitzer. „Dieser Effekt betrifft alle Fächer, ist nicht mit anderen Faktoren zu erklären und wirkt sich langfristig auf den erreichten Ausbildungsgrad aus.“ Kinder mit durchschnittlicher Intelligenz würden am stärksten negativ durch ihr Fernsehverhalten beeinflusst.

Ein Durchschnittsschüler in den USA habe nach zwölf Schuljahren nur 13 000 Stunden in der Schule verbracht, hingegen 25 000 vor dem Fernseher. In dieser Zeit habe er 32 000 Morde, 40 000 versuchte Morde und 200 000 Gewalttaten gesehen. Dass Fernsehen schließlich auch gewalttätig mache, führt Spitzer auf eine einfache Botschaft zahlreicher Fernsehsendungen zurück: „Gewalt gibt es häufig in der Welt, sie löst Probleme und hierzu gibt es keine Alternative, sie tut nicht weh, und der Gewalttäter kommt ungeschoren davon.“

Der Hirnforscher plädierte dafür, künftig eine Art Ökosteuer auf die Produktion gewalthaltiger Programme einzuführen. „Die vermüllten Landschaften in den Köpfen der Jugendlichen sind ähnlich zu behandeln wie der qualmende Schornstein.“

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