Festplattentechnik
Physik-Nobelpreis geht nach Deutschland

Der Physik-Nobelpreis geht in diesem Jahr an einen Deutschen und einen Franzosen. Peter Grünberg vom Forschungszentrum Jülich und sein französischer Kollege Albert Fert werden geehrt für die Entdeckung eines Magneteffekts, ohne den heute keine Computerfestplatte mehr auskommt.

STOCKHOLM. Den diesjährigen Physik-Nobelpreis teilen sich der Deutsche Peter Grünberg und der Franzose Albert Fert. Fert und Grünberg, der am Forschungszentrum Jülich arbeitet, wurden für ihre unabhängig voneinander gemachte Entdeckung des sogenannten Riesenmagnetowiderstandes ausgezeichnet.

Der Effekt wird in Leseköpfen von Festplatten verwendet und gilt als Revolution bei der Auslesung großer Datenmengen. Bei Festplatten tastet ähnlich wie bei einem Plattenspieler ein Arm mit einem Lesekopf magnetisch die rotierende Platte ab. Experten vergleichen das durch den Effekt ermöglichte Verfahren mit einem Jumbojet, der in einer Höhe von einem Meter über eine Wiese rast, während der Lesekopf wie ein Co-Pilot gezielt einzelne Blumen pflückt. Die Technik wird heute breit in der Computer-Branche angewandt. Die heutigen MP3-Spieler wie der ipod und leistungsfähige Notebooks wären durch die Entdeckung der beiden Physiker nicht möglich.

In der Begründung der Königlich-schwedischen Wissenschaftsakademie in Stockholm hieß es, dass Dank dieser Technik „die Festspeicherplatten in den letzten Jahren so erheblich verkleinert und zugleich mit wesentlich größerer Speicherkapazität angeboten werden“ können. Peter Grünberg wurde 1939 geboren und ist heute Professor am Institut für Festkörperforschung am Forschungszentrum Jülich. Albert Fert wurde 1938 geboren und arbeitet an der Universität Paris-Sud.

Grünberg und Fert folgen den US-Astrophysikern John C. Mather und George F. Smoot nach, die im vergangenen Jahr für die erste präzise Untersuchung des kosmischen Urknall-Echos ausgezeichnet worden waren.

Die diesjährigen Nobelpreise sind mit jeweils zehn Millionen Kronen, rund 1,1 Millionen Euro, dotiert. Sie werden am 10. Dezember, dem Todestag ihres Stifters Alfred Nobel, in Stockholm und Oslo überreicht. Die Bekanntgabe des Medizin-Nobelpreises läutete gestern den diesjährigen Nobelreigen ein. Die Auszeichnung ging an die US-Amerikaner Mario R. Capecchi und Oliver Smithies sowie den Briten Martin J. Evenas für die Entwicklung einer Technik, wie man gezielt einzelne Gene bei Mäusen ausschalten kann, um so deren Funktion entschlüsseln zu können.

Am Mittwoch werden in Stockholm der Chemie- Nobelpreisträger, am Donnerstag der Literatur-Nobelpreisträger bekannt gegeben. Den Namen des Friedensnobelpreisträgers nennt das Nobelkommitee am Freitag in Oslo. Am kommenden Montag schließt die Bekanntgabe des Wirtschaftspreisträgers den diesjährigen Nobel-Reigen ab.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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