Filter für Kohlendioxid
Algen sorgen für saubere Energie

Grüne Wasserbewohner könnten den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid in Kraftwerken deutlich verringern. Mit der richtigen Algensorte lässt sich aus dem Treibhausgas sogar noch Gewinn schlagen.

DÜSSELDORF. Gregor Schneiders Zöglinge brauchen Licht und Liebe. Giftig grün dümpeln sie in ihren Tanks herum. Seit Wochen züchtet der Biologe Grün- und Blaualgen in riesigen Wannen des Labors des Regensburger Forschungsdienstleisters Rent A Scientist. Langsam muss er sie hochpäppeln und darf die Kolonie nicht zu früh auf größere Gefäße verteilen. "Wenn sie zu einsam sind, wollen sie sich nicht mehr vermehren", erklärt Schneider. Nur mit fürsorglicher Aufzucht werden sie den Sprung ins kalte Wasser überstehen. Die Kulturen sollen nämlich demnächst ins Freie umgesiedelt werden, wo ihnen eine große Aufgabe bevorsteht.

Auf dem Gelände der Schmack Biogas AG im bayerischen Schwandorf werden sie ab Juli Kohlendioxid (CO2) aus dem Biogas filtern. Genährt und gedüngt vom Treibhausgas, gedeihen sie besonders üppig. Per Photosynthese wandeln sie das Kohlendioxid in Biomasse um. Nach getaner Arbeit sinkt das Grünzeug zu Boden und wird abgepumpt. "Die abgestorbenen Algen können wieder zu Biogas vergoren werden. Daraus wird in einem Blockheizkraftwerk Strom gewonnen, oder das Gas wird direkt ins Erdgasnetz eingespeist", erklärt Schneider. Eine Kreislaufwirtschaft ist Kern des Konzepts, mit Algen Kohlendioxid zu entfernen.

Algen werden bereits in der Kosmetik-, Pharma- und Lebensmittelindustrie genutzt. "Haematococcus pluvialis" zum Beispiel stellt den roten Nahrungsmittelfarbstoff Astaxanthin industriell her. Somit könnte die Algenfarm nicht nur CO2 binden, sondern auch Chemikalien produzieren. "Dann könnten wir mit der Reinigung des Gases, die sonst Geld kostet, sogar Geld verdienen", sagt Doris Schmack, Forschungsleiterin bei Schmack Biogas. Das wird aber noch eine Zeit lang dauern. Die Idee der Algen-Kreislaufwirtschaft ist noch ein Projekt im Forschungsstadium, das von der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe finanziert wird.

Die Suche nach der richtigen Spezies

In der Schwandorfer Anlage sollen die Algen aus dem Biogas das lästige Treibhausgas Kohlendioxid filtern, das darin bis zu 40 Prozent enthalten ist. Wenn es vollständig abgetrennt ist, bleibt im Wesentlichen Methan übrig. Nur das darf in eine Erdgaspipeline gepumpt werden, denn das unbrennbare Kohlendioxid mindert die Qualität des Energieträgers. "Für die Reinigung des Biogases fehlen bislang preiswerte Techniken", weiß Raimund Brotsack von Rent A Scientist. Das könnten die Algen übernehmen. "Sie lassen sich einsperren, sind hart im Nehmen und viel produktiver bei der Kohlendioxidfixierung als Bäume."

Auf der Suche nach der richtigen Spezies wandten sich die Wissenschaftler an die Algenspezialistin Iris Maldener von der Universität Regensburg. Deren damaliger Student Gregor Schneider testete im Rahmen seiner Diplomarbeit zehn Blaualgen und zwei Grünalgen für diese Aufgabe.

Einige sammelte er aus Teichen in der Umgebung. Schneider schreckt das unappetitliche Erscheinungsbild der schmierigen Wasserbewohner nicht. Im Labor ließ er wieder und wieder Biogas in definierten Dosen durch vierzig Liter Algensuppe blubbern und beobachtete, wie die Algen mit dem Mix aus Methan und Kohlendioxid klarkommen. Nur Arten, die dabei gut gedeihen, haben eine Chance. Einige scheiterten bereits an dieser ersten Hürde. Andere fallen durch die zweite Prüfung: Sie fixieren zu wenig Kohlendioxid. "Zwei Algen haben wir für die anstehenden Freilandversuche ausgewählt", berichtet Schneider. Der Spitzenreiter, ein Stamm der Gattung Chlorella, konnte im Labor mehr als 50 Prozent des Kohlendioxids filtern.

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